Therapie und Aufklärung
Als Therapie der Wahl gilt die synergistische Kombination: Ampicillin + Gentamicin (bei Schwangeren nur Ampicillin). Insbesondere bei Meningitis und Rhombencephalitis soll Ampicillin möglichst hoch dosiert werden (mindestens 6 g/Tag beim Erwachsenen). Zustände von Immunsuppression sind ggf. bestmöglich zu beseitigen.
Bei Kontraindikationen für eines der beiden Medikamente wird Cotrimoxazol i.v. empfohlen (nicht bei Schwangeren). Weitere, nicht unumstrittene Therapie-Optionen: Vancomycin, Rifampicin, Meropenem.
Therapie-Dauer: 2 - 3 Wochen, bei Rhombencephalitis bis zu 6 Wochen.
Cephalosporine sind unwirksam!
Antibiotikaresistenz spielt bei Ampicillin, Gentamicin und Cotrimoxazol derzeit praktisch keine Rolle, so dass die Therapieentscheidung vor dem Vorliegen des Antibiogramm sicher gestellt werden kann. Mangelhaftes Ansprechen auf die Therapie ist trotzdem nicht selten und auf die intrazelluläre Lebensweise des Erregers, die Immunsuppression bei vielen Patienten und die schwierige, oft späte Diagnose zurückzuführen.
Chemoprophylaxe
Eine Antibiotikaprophylaxe ist im Allgemeinen nicht indiziert; lediglich bei klinisch auffälligen Neugeborenen kann bei mikroskopischem Nachweis von grampositiven Stäbchenbakterien im Mekonium der prophylaktische Einsatz von Antibiotika indiziert sein.
Dauer der Keimausscheidung
Mütter von infizierten Neugeborenen können den Erreger bis zu 10 Tage lang in den Lochien und im Harn ausscheiden. Im Stuhl werden die Erreger meist nur über wenige Tage ausgeschieden.
Aufklärung der Infektionsquelle
Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung einer Weiterverbreitung ist die Suche nach der Infektionsquelle, also im allgemeinem eines kontaminierten Lebensmittels. Gelingt in verdächtigen Lebensmitteln der Nachweis von L. monocytogenes, so kann das Konsiliarlabor durch molekularbiologische Untersuchungen dieses Isolats im Vergleich zum Isolat des Erkrankten klären, ob das Lebensmittel tatsächlich als Infektionsquelle anzusehen ist. Da oft unterschiedliche Labore (medizinisch-mikrobiologisches und lebensmittelhygienisches Labor) zeitlich versetzt an den Untersuchungen teilnehmen sind, sollten alle Beteiligten darauf achten, dass beide Isolate dem Konsiliarlabor zugesandt werden.
Wichtig ist auch die Suche nach anderen (meistens nur leicht an Durchfall) erkrankten Personen im Umfeld des Patienten (Haushaltsangehörige, gemeinsame Gastronomiebesuche, Gemeinschaftsverpflegung, Reisegruppe) insbesondere aus folgenden Gründen:
1. Oft ergibt sich erst durch eine Ausbruchsuntersuchung der entscheidende Hinweis auf die Infektionsquelle.
2. Oft sind Lebensmittel, die zu erkennbaren Ausbrüchen geführt haben, besonders stark mit Listerien belastet und somit eine besondere Gefahr für die Allgemeinheit.
3. Manchmal führt die Ausbruchsuntersuchung zum Nachweis einer schweren Listeriose bei einem anderen Patienten, bei dem die schwierige Diagnose bislang nicht gestellt werden konnte.
Hygienemaßnahmen im Erkrankungsfall
Bei Infektionen mit L. monocytogenes sind Quarantäne- und Desinfektionsmaßnahmen nur beschränkt notwendig. Auf Grund der Möglichkeit von nosokomialen Infektionen muss auf Neugeborenenstationen eine strikte Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln gefordert werden, insbesondere unmittelbar nach Pflege des erkrankten Kindes. Eine Unterbringung in einem eigenen Zimmer ist in diesem Zusammenhang von Vorteil. Ähnliches gilt für die Versorgung von Patienten auf einer Station mit Immunsupprimierten.
Informationsbedarf bei Ausbruchsverdacht
Das Konsiliarlabor bittet um Mitteilung, wenn es im Zusammenhang mit einer Listerieninfektion einen Verdacht auf weitere infizierte Personen gibt. Bei Ausbruchsverdacht kann die Untersuchung von Stuhlproben bei Kontaktpersonen mit Durchfall oder anderen Krankheitszeichen sinnvoll sein. Noch wirksamer können gezielte epidemiologische Befragungsstudien zur Aufklärung beitragen. Das Konsiliarlabor leistet den zuständigen Gesundheitsbehörden bei Bedarf gerne in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Infektionsepidemiologie der AGES sowie der Fachgruppe Gastroenterologische Infektionen, Zoonosen und tropische Infektionen der Abteilung Infektionsepidemiologie des Robert Koch-Instituts Unterstützung.
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