HIV-Surveillance in Österreich
Vor zehn Jahren haben Vertreter von fünf HIV-Behandlungszentren (AKH Wien, Otto-Wagner-Spital Wien, AKH Linz, LKH Innsbruck and LKH Graz West) die „Austrian HIV Cohort Study (AHIVCOS)“ gegründet. Langfristiges Ziel dieser HIV-Kohortenstudie ist eine umfassende, freiwillige und anonyme Erfassung von HIV infizierten Patienten in Österreich und damit eine Optimierung des Patientenmanagements. 2008 traten zwei weitere Zentren (LKH Salzburg und LKH Klagenfurt) der AHIVCOS bei.
Weitere Ziele betreffen das Qualitätsmanagement und die Verbesserung des Wissens über die Epidemiologie (= Ursachen, Verbreitung und Folgen in der Bevölkerung) dieser Krankheit. Mit diesem Wissen können Mittel des öffentlichen Gesundheitswesens gezielter eingesetzt werden.
Ein weiterer Vorteil dieses Systems ist, dass der behandelnde Arzt die Patientendaten aufnimmt. Dadurch werden persönliche Hemmschwellen herabgesetzt, die so gewonnenen Daten sind genauer als jene über das behördliche Meldesystem. Hinzu kommt, dass es in Österreich eine Meldepflicht nur für AIDS gibt, nicht jedoch für HIV.
Situation in Österreich
In den vergangenen zehn Jahren wurden über AHIVCOS 7031 HIV-Infektionen dokumentiert. Von diesen Fällen sind 1945 Patienten mittlerweile verstorben. Trotz rund 400 Neuinfektionen pro Jahr erkranken derzeit lediglich ca. 80 Personen in Österreich an AIDS – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Behandlung der Betroffenen gut funktioniert. So gut, dass auch mit HIV infizierte Frauen mit Ausnahme von tragischen Einzelfällen (z. B. Drogensucht verbunden mit Therapieabbruch) kerngesunde Babys auf die Welt bringen. Zurzeit werden pro Jahr 40 Schwangerschaften von HIV-infizierten Frauen registriert.
Der Behandlungserfolg – HIV-Infizierte führen bei Therapie ein annähernd beschwerdefreies Leben – hat allerdings dazu geführt, dass das Risikobewusstsein gesunken ist. Das wiederum führt dazu, dass nach wie vor viele HIV-Infektionen zu spät diagnostiziert werden: Nur 20 Prozent der Diagnosen werden binnen weniger Monate nach erfolgter Infektion gestellt; in 60 Prozent der Fälle dauert es mehrere Jahre; bei 20 Prozent erfolgt die Diagnose nach über zehn Jahren. Je früher aber die Diagnose HIV gestellt wird, desto besser der Behandlungserfolg. Bei entsprechender Anamnese sollte daher jeder Arzt bei grippeähnlichen Erkrankungen, die typischerweise zwei bis drei Wochen nach einer HIV-Infektion auftreten, diese Möglichkeit in Betracht ziehen.
Statistische Daten
In Österreich liegt das Durchschnittsalter bei HIV-Diagnosen bei 34 Jahren. 70 Prozent der HIV-Infizierten sind männlich. Die meisten Infektionen werden in Österreich erworben, das höchste Risiko einer Infektion besteht bei sexuellen Kontakten zwischen Männern und sexuellen Kontakten mit Personen aus Hochprävalenzländern.
HIV/Aids in Österreich 2010
In Österreich gibt es – im Gegensatz zu anderen Ländern – keine Meldepflicht für HIV. Ende des Jahres 2001 gründeten Vertreter von fünf HIV-Behandlungszentren (AKH Wien, Otto-Wagner-Spital Wien, AKH Linz, LKH Innsbruck and LKH Graz West) die “Austrian HIV Cohort Study (AHIVCOS)”. 2008 traten zwei weitere Zentren (LKH Salzburg und LKH Klagenfurt) der AHIVCOS bei.
Langfristiges Ziel dieser HIV-Kohortenstudie ist eine umfassende, freiwillige und anonyme Erfassung von HIV infizierten Patienten in Österreich. Bislang haben sich 4553 Personen an dieser Studie beteiligt.
Der Bericht "HIV/AIDS IN AUSTRIA 2010, 17th REPORT OF THE AUSTRIAN HIV COHORT STUDY" gibt einen Überblick über die aktuelle Situation in Österreich.
Evaluierung des Surveillance-System der HIV-Infektion in Österreich
Die vorliegende Evaluierung des Surveillance-Systems der HIV-Infektion in Österreich ist eine systematische Bewertung nach vorgegebenen Qualitätskriterien gemäß der US CDC Leitlinie „Guidelines for Evaluating Public Health Surveillance Systems“. Die Kriterien Simplizität des Surveillance-Systems, Qualität der von dem System generierten Daten, Daten-Repräsentativität und Zeitgerechtheit wurden beurteilt.
Diese Evaluierung wurde im Auftrag von Ministerialrat Dr. J.P. Klein im Jahr 2011 von der AGES durchgeführt.
AGES
Ort: 1220, Spargelfeldstraße 191
Dienstort: Wien
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