ERSTELLT: 01.01.1970, 01:00 UHR

Diphtherie

Die klassische Diphtherie ist eine schwere Infektion bei Menschen, die ohne adäquate rechtzeitig eingeführte Therapie letal enden kann. In den entwickelten Ländern ist die Inzidenz der Erkrankung sehr niedrig, durch die hohe Impfrate und die Verfügbarkeit wirksamer Therapie. Erkrankungsgipfel werden in den kalten Jahreszeiten registriert, die warme trockene Innenluft begünstigt die Infektion. In den westlichen Ländern werden meist sporadische Fälle registriert. Die Diphtherie bleibt aber endemisch in vielen Regionen der Welt, wie etwa Fern- und Nahosten, Südamerika oder Afrika.

Erreger
Corynebacterien sind grampositive, fakultativ anaerobe, nicht sporenbildende, irregulär geformte (keulenförmige) Stäbchenbakterien (griech. „coryne“). Die meisten Vertreter dieser Gruppe sind opportunistische Keime (d.h. nur unter speziellen Bedingungen „krankmachend“). Die größte klinische Bedeutung hat C. diphtheriae, der Erreger der Diphtherie. Nur die toxinbildenden Stämme können die Erkrankung verursachen.Aufgrund morphologischer und biochemischer Eigenschaften, wird C. diphtheriae in drei Biotypen eingeteilt: gravis, intermedius und mitis.

Verbreitung und Infektionsweg
Der Mensch ist das einzige Reservoir von Corynebacterium diphtheriae.Die Übertragung erfolgt hauptsächlich aerogen in Form von Tröpfchen, oder durch direkten Kontakt mit respiratorischen Sekreten oder Wundexudaten. Auch das Erbrochene oder kontaminierte Lebensmittel (Milch) und Gegenstände können eine Rolle bei der Übertragung spielen.

Erkrankungsbild
Die klassischen Eintrittspforten für C. diphtheriae sind der Respirationstrakt und die Haut.

Die Hautdiphtherie kommt hauptsächlich in den tropischen Regionen vor und manifestiert sich als schlecht heilende Hautulzera, bedeckt von schmutzig grauen Membranen.

Die Diphtherie der Atemwege beginnt nach einer Inkubationszeit von 2-5 Tagen mit Halsschmerzen, Müdigkeit, zervikaler Lymphknotenschwellung und subfebrilen Temperaturen. Im Nasenrachenraum bilden sich harte adhärente Pseudomembranen (griech: „diphthera“, Lederhaut), die sich über eine oder beiden Gaumenmandeln sowie über die restlichen Gewebe des weichen Gaumens ausdehnen und beim Abtragen stark bluten. Die Farbe dieser Membranen kann weiß, schmutzig grau, grün oder schwarz sein. Diese Pseudomembranen können auch Kehlkopf, Trachea und Bronchienbefallen, und zu schwerwiegender Symptomatik führen: Heiserkeit, Atemnot, Atemgeräusche, Zyanose, die ohne sofortige Maßnahmen (Intubation) lebensbedrohlich werden können.Infolge von Toxinbildung kommt es zu Reizleitungsstörungen überwiegend im Herz und im Zentralnervensystem. Diese manifestieren sich als Herzrhythmusstörungen, Erregungsleitungsstörungen unterschiedlichen Grades, sowie akute Herzinsuffizienz mit Kreislaufkollaps. Primär werden die motorischen Nerven beschädigt. Gelegentlich werden auch die sensorischen Nerven betroffen, was sich als „Handschuh-Strumpf“-Neuropathie äußert.

Diagnose
Die Methode der Wahl ist die Anzucht des Erregers aus klinischem Untersuchungsmaterial. Am besten geeignet sind Abstriche aus entzündeten Stellen (Nase, Rachen, Gaumenmandeln, Wunde) als auch abgetragene Membranen. Wenn keine Wundabstriche gewonnen werden können, es wird empfohlen, Aspirate aus dem Wundrand zu gewinnen. Darüber hinaus können je nach klinischem Verdacht auch andere Materialien (Blut, Urin) nach Absprache mit Labor gesandt werden. Nach Anzucht ist der Nachweis von Toxinproduktion für die Diagnosesicherung von großer Bedeutung. Die Erkrankung ist Meldepflichtig.

Therapie
Muss so früh wie möglich (bei vorläufiger klinischer Diagnose) eingeleitet werden.Erfolgt simultan mit Antibiotika und Diphtherieantitoxin (Diphtherieserum).Bei vollständiger Grundimmunisierung und regelmäßig durchgeführten Auffrischungen, ist der Krankheitsverlauf in der Regel mild.Bei Komplikationen sind lebensrettende Massnahmen (Intubation, Kreislaufunterstützung, Behandlung von Herzrhythmusstörungen) erforderlich.

Prophylaxe, Immunität
Die Prävention beginnt im Kindesalter und besteht in einer aktiven Immunisierung mit einem „Toxoidimpfstoff“, einem inaktivierten Diphtherietoxin. Der Impfstoff für Kinder enthält mehr Antigen als der Erwachsenenimpfstoff und ist in Kombinationsimpfstoffen (mit Tetanus und Keuchhusten) enthalten.Die Immunisierung sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden (in Kombination mit Tetanus).Alle Kontaktpersonen müssen für 7-14 Tage aufmerksam beobachtet werden. Auch sollten, im Rahmen der Umgebungsuntersuchungen alle Keimträger identifiziert und saniert werden.

Meldepflicht
Erkrankungs- und Todesfälle sind durch den zugezogenen (behandelnden) Arzt an die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde (Gesundheitsamt).                  

Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Wien

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