Symptomatik
Die Erkrankung beginnt ohne Prodromalsymptome mit zunehmend weichen, dann mehr und mehr wässrigen Stuhlentleerungen. Seltener leiden die Patienten auch unter Erbrechen. Bei schweren Erkrankungsformen kommt es zu profusen, wässrigen, schmerzlosen Durchfällen (Reiswasser-Stühle) mit Flüssigkeitsverlusten bis zu 20 l/Tag. Die Patienten leiden unter starken Wadenkrämpfen, es kommt zu zunehmender Exsiccose, Elektrolytentgleisung und Azidose. Ohne Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution trüben die Patienten zunehmend ein, und es kann aufgrund von Nierenversagen und Kreislaufkollaps zum Exitus letalis kommen. Eine seltene Variante, mit einem foudroyanten Verlauf ist die Cholera sicca (fulminans): ohne Erbrechen oder Durchfall, mit Flüssigkeitsansammlung im Darm, mit Kreislaufkollaps und Exitus in wenigen Stunden. Die Letalität der unbehandelten Erkrankung kann bis zu 60% betragen (bei Vibrio comma). Bei Vibrio El Tor liegt sie zwischen 10 und 30 %. Bei rechtzeitiger Substitutionstherapie ist die Prognose gut (Letalität 1%).

Differentialdiagnose
Durchfälle anderer Genese u.a. hervorgerufen durch Infektion mit enterotoxinbildenden Escherichia coli, Campylobacter, Shigellen, Salmonellen oder Staphylokokken, sowie durch Malaria, Amöben oder Intoxikationen.

Diagnostik
Methode der Wahl ist die Anzucht des Erregers aus Stuhl oder Erbrochenem. Eine Anzucht aus Lebensmitteln oder Trinkwasser ist möglich. Der direkte mikroskopische Nachweis im Stuhl (Dunkelfeldmikroskopie) ist wenig sensitiv und spezifisch. Der Nachweis spezifischer Antikörper (z.B. Widal-Agglutination) ist etwa ab dem 10. Tag nach Krankheitsbeginn möglich.

Therapie
Ausgleich des Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushaltes, wenn möglich oral (zB 20g Glukose + 1,5g KCl + 2,5g NaCl + 3,5g Na-Bicarbonat), in schweren Fällen als Infusionen. Die Gabe von Antibiotika spielt eine untergeordnete Rolle. Sie mindern bei schweren Verläufen Dauer und Intensität der Diarrhoe. In Frage kommen: Co-Trimoxazol, Tetracyclin oder Ciprofloxacin.

Prophylaxe, Immunität
Die Cholera war eine der vier international vorgeschriebenen Quarantänekrankheiten. Natürliche Immunität nach einer durchgemachten Infektion ist unvollständig. Aktive Immunisierung: als Reiseimpfung ist gegen Cholera nur noch in Ausnahmefällen auf Verlangen des Ziel- oder Transitlandes erforderlich. Eine diesbezügliche WHO-Impfempfehlung besteht nicht. Durch diese spezifische Prophylaxe entsteht nur ein unvollständiger (50-60% Schutzrate), passagerer (3-6 Monate) Schutz (auch keine Wirksamkeit bei O139 Stämmen).
Passive Immunisierung: Nicht möglich.

Med. Mikrobiologie und Hyg. Wien

Institut: Med. Mikrobiologie und Hyg. Wien
Ort: 1096, Waehringerstrasse 25a
Dienstort: Wien

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