Todesfälle durch Milzbrand bei Drogensüchtigen in Deutschland und Großbritannien
Am 13. Dezember 2009 verstarb in Deutschland ein Drogensüchtiger an Milzbrand, einer seltenen bakteriellen Infektionskrankheit. Seit 7. Dezember 2009 wurden zudem in Schottland 17 Fälle von Hautmilzbranderkrankungen bei Personen mit intravenösem Drogenmissbrauch festgestellt (Stand 25.01.2010). In Schottland waren bislang 8 Todesfälle zu verzeichnen. Die Quelle für die Verunreinigung des Rauschgifts ist derzeit noch nicht bekannt.
Infektionen bei Personen mit intravenösem Drogenmissbrauch finden sich häufig. Das Einbringen von unsterilen Substanzen unter die schützende Haut erleichtert das Angehen vieler bakterieller und viraler Erkrankungen. Hautmilzbrand war jedoch bislang noch nie mit Drogenmissbrauch assoziiert worden.
Der Milzbrand (Anthrax) ist primär eine Krankheit von Schafen, Ziegen und Rindern. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt entweder direkt vom kranken Tier oder indirekt durch – meist nach Europa importierte – Tierprodukte. In den vergangenen 20 Jahren wurde Milzbrand beim Menschen in Österreich gar nicht mehr beobachtet, in Deutschland nur mehr vereinzelt festgestellt (bisher letzter Fall von Hautmilzbrand in Deutschland: 1994, in Italien 2006). Letztmalig wurden Milzbrandbakterien in Österreich im Jahr 2001 aus einem Postsack der amerikanischen Diplomatenpost in Wien angezüchtet; durch die absichtliche Freisetzung von Milzbrandsporen waren in den USA damals fünf Personen durch Inhalationsmilzbrand ums Leben gekommen. Die letzte Diagnose von Hautmilzbrand in Österreich wurde 2006 aus einer Laborprobe von einem Südtiroler Bergbauern gestellt; er hatte einige Tage zuvor seine verendeten Schafe vergraben.
Milzbrand kommt beim Menschen als lokale Hauterkrankung (Hautmilzbrand) oder als systemische Erkrankung der Atmungs- und der Verdauungsorgane (Inhalationsmilzbrand und Darmmilzbrand) vor. Die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung (Inkubationszeit) beträgt meist 1-7 Tage.
Der Hautmilzbrand ist die weitaus häufigste Erscheinungsform von Anthrax (griech. = Kohle). Das erst Krankheitszeichen ist eine insektenstichartige Stelle, auf der sich nach 2-3 Tagen ein kleines Bläschen bildet. Daraus entsteht ein Geschwür mit kohlrabenschwarzem Grund ohne Eiterbildung und ohne Schmerzen. Bei gutartigem Verlauf bleibt die Hautmilzbranderkrankung lokal und fast ohne Fieber. Bei Fällen mit Blutvergiftung, wie sie bei den Drogensüchtigen in Schottland und dem Betroffenen in Deutschland vorlagen (Einspritzen der verunreinigten Drogen direkt in Blutgefäße), kann es unter Fieber, Schüttelfrost, Durchfall, Hautblutungen und Multiorganversagen zum Tode der Infizierten kommen.
Für Kontaktpersonen besteht bei Hautmilzbrand kein relevantes Infektionsrisiko. Eine Antibiotikaprophylaxe nach Kontakt mit diesen Erkrankten ist somit nicht erforderlich.
Nähere Informationen:
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