Badegewässeruntersuchung 2010
Campylobacter spp. in Tiroler Badegewässern
Thermophile Campylobacter spp. gehören zu den wichtigsten Lebensmittelinfektionserregern, in vielen EU-Ländern stehen Campylobacteriosen an erster Stelle der lebensmittelbedingten Infektionen des Menschen noch vor den Salmonellosen. Sie kommen in Darm vieler Nutztiere und Haustiere (insbesondere Hunden) vor und werden durch die Fleischgewinnung und weitere Verarbeitung auf Lebensmittel tierischen Ursprungs übertragen. Rohes Geflügelfleisch bzw. nicht ausreichend erhitztes Geflügelfleisch ist die Hauptquelle für Infektionen des Menschen. Daneben spielen Schweinefleisch und Rohmilch eine Rolle für die Verbreitung von Campylobacter spp. (J. Krämer, 2007).
Weitere Infektionsquellen können der Kontakt mit kontaminierten Bade- oder Oberflächenwasser sowie mit Nutzpflanzen aus organisch gedüngten Feldern sein. Durch kontaminiertes Trinkwasser sind eine Reihe Campylobacter-Epidemien ausgelöst worden. So erkrankten in Schweden von 1992 bis 1996 durch Campylobacter-Epidemien 5915 Personen (K. Höll 2002).
Aufgrund dieser Fragestellungen wurde im Jahr 2010 eine Vielzahl der gemeldeten Tiroler Badegewässer auf Campylobacter spp. untersucht. Insgesamt wurden 74 Wasserproben zu je 1000 ml untersucht. Davon waren lediglich 2 Proben positiv. Somit ist das Vorkommen von Campylobacter spp. in Tiroler Badegewässern mit 2,7% positiven Proben in 1000 ml als sehr gering zu bezeichnen, da mäßig organisch belasteten Flusswasser bereits bei 100 ml positiv ist (K. Höll 2002).
Da an beiden positiv getesteten Badegewässern im Zuge des Lokalaugenscheins Wasservögel (Wildenten, Blässhühner) beobachtet wurden, kann angenommen werden, dass diese Kontamination durch Vogelkot verursacht wurde. Eine weitere Vermehrung im Badegewässer findet nicht mehr statt, da Campylobacter bei Temperaturen unter 32 °C nicht mehr vermehrungsfähig ist und lebende Zellen zur Vermehrung benötigt.
Die sehr gute Badegewässerqualität in Tirol wird durch die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen bestätigt. Weder bei Escherichia coli als auch bei intestinalen Enterokokken konnte 2010 eine Einzelgrenzwertüberschreitung festgestellt werden (Einzelgrenzwert: E. coli < 1000 KBE/100 ml, intestinale Enterokokken < 400 KBE/100 ml Badegewässer). Aufgrund dieser Untersuchungen konnte bestätigt werden, dass die Badegewässerqualität in Tirol, sowohl bei den gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen als auch bei Campylobacter spp., mit „Sehr Gut“ einzustufen sind und dem Badespaß für das Jahr 2011 nichts mehr im Wege steht.

- Badeanstalt: Hechtsee
Mag. Rudolf Buttinger
Institut: LMS Pflanzliche LM
Adresse: 6020 Innsbruck, Technikerstrasse 70
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