Schokolade ohne deklarierte Milchbestandteile
- eine Alternative für Kuhmilchallergiker ?
Im Gegensatz zu Milchschokoladen enthalten dunkle Schokoladen einen höheren Anteil an Kakaobestandteilen, Milchbestandteile wie Milchfett oder Milchpulver werden nicht zugesetzt. Die Untersuchung derartiger Schokoladeproben auf Casein (Milcheiweiß) hat jedoch ergeben, dass keine dunkle Schokolade völlig frei von Spuren von Milcheiweiß ist. Die nachgewiesenen Mengen liegen im Bereich von 2,6 bis 220 mg Milcheiweiß/100 g Schokolade.
Während alle rezepturmäßig zugesetzten Bestandteile als Zutaten gekennzeichnet werden müssen, muss auf Kontaminationen während der Produktion nach derzeitiger Rechtslage nicht hingewiesen werden.
Um eine Kontamination mit Material aus einer vorangegangenen Produktion zu verhindern, müssen Produktionslinien aufwändig gereinigt werden. Bei der Schokoladeherstellung ist es eine gängige Praxis, Produktreste wieder zu verwenden.
Alle Bestandteile dieses „reworks“ sind – da als Zutat absichtlich zugesetzt - in der Zutatenliste deklarationspflichtig.
In vielen Fällen greifen die Produzenten zu dem Mittel, aus Produktsicherheitsgründen vorsorglich einen Warnhinweis am Produkt anzubringen, dass Milchbestandteile enthalten sein können. Fehlt dieser Warnhinweis ist dies jedoch keine Garantie dafür, dass die Schokolade keine Spuren von Milcheiweiß enthält.
Eine Allergie auf Kuhmilch ist die häufigste Allergie im Kindesalter, betroffen sind 2-7 % der Kinder unter 1 Jahr, wobei beim Großteil dieser Kinder bis zum 4. Lebensjahr die allergischen Reaktionen verschwinden.
Jedoch auch bei Erwachsenen können allergische Symptome nach dem Genuss von Milch- und Milcherzeugnissen auftreten. Die allergischen Reaktionen verlaufen zwar oft mild, sind für die Betroffenen aber sehr unangenehm und können in Einzelfällen auch einen anaphylaktischen Schock auslösen. (Quelle: food standards agency, UK)
Die Menge, welche eine allergische Reaktion auslöst, kann je nach Individuum stark unterschiedlich sein und sogar von der Tagesverfassung abhängen. Es ist daher kaum möglich Schwellenwerte für das Auslösen einer allergischen Reaktion festzulegen. 10 % der Kuhmilchallergiker reagieren bereits auf 3 Milligramm Kuhmilchprotein. (Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung, BRD). Die Schwere der Reaktionen wird auch durch die Zusammensetzung der Lebensmittel beeinflusst (Matrixeffekte).
Es gibt noch wenig wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, ob und wie sich das allergene Potential von Kuhmilch bei der Verarbeitung zu Lebensmitteln verändert. Seit 2005 arbeitet das Projekt EuroPrevall daran, an Hand oraler Provokationstests mit ausgewählten Lebensmitteln für die Hauptallergene Grenzen zu definieren, unter welchen keine allergischen Reaktion zu erwarten sind.
Hoch empfindliche Personen sollten daher vorsorglich auf den Genuss von Schokolade verzichten oder auf spezielle Produkte für Kuhmilchallergiker zurückgreifen.
jft
Christa Wentzel
Institut: Informations- und Koordinationsstelle
Ort: 8010, Beethovenstrasse 8
Dienstort: Graz
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