AKTUALISIERT: 13.03.2011

Überwachung der Radioaktivität in Lebensmitteln

Die AGES überwacht seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl routinemäßig den Gehalt an natürlichen und künstlichen Radionukliden in Stichproben von Lebensmitteln und Umweltmedien. Bei Lebensmitteln werden vor allem Milch, Fleisch und Gemüse sowie Trinkwasser untersucht. Die Daten dienen neben der Überwachung der derzeitigen Radioaktivitätskonzentrationen auch der Ermittlung der aktuellen Strahlendosis der Gesamtbevölkerung aus diesen Quellen.

Maronenröhrling

Natürliche radioaktive Stoffe in Lebensmitteln

Unser Körper selbst, Boden, Baustoffe, Nahrung, Trinkwasser und Atemluft enthalten geringe Mengen an natürlichen radioaktiven Stoffen.

Der Hauptanteil der natürlichen Radioaktivität in Nahrungsmitteln ist durch das radioaktive Kaliumisotop Kalium-40 bedingt, das im Kalium zu 0,012 % vorhanden ist. Mit dem lebenswichtigen Kalium wird das radioaktive Kaliumisotop im angegebenen Prozentsatz aufgenommen und ist in allen Organismen vorhanden.

Künstliche radioaktive Stoffe in Lebensmitteln

Der Gehalt an Radionukliden künstlichen Ursprungs in Lebensmitteln wird im Wesentlichen durch die Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl bestimmt, wobei lediglich Cäsium 137 eine gewisse Bedeutung zukommt. Ein sehr geringer Teil der Kontamination stammt noch aus den oberirdischen Atomwaffenversuchen vor 50 Jahren.

Gemessen wird die Radioaktivität in der Einheit Becquerel (Bq), d. i.
1 Zerfall/Sekunde. Der aktuelle Cäsium-Grenzwert beträgt für Milch und Kindernahrung 370 Bq/kg, für andere Lebensmittel 600 Bq/kg.

Überwachung von Lebensmitteln

Die AGES untersucht an den Standorten Wien, Linz, Graz und Innsbruck routinemäßig Lebensmittel auf radioaktive Kontamination. Dies erfolgt in Vollziehung des Strahlenschutzgesetzes zur Trendermittlung und Beweissicherung sowie zum Erhalt der praktischen Erfahrung des Messpersonals und zur Sicherstellung des einwandfreien Funktionierens der Gerätschaften im Katastrophenfall.

Das routinemäßig durchgeführte Überwachungsprogramm umfasst die Untersuchung von österreichweit 35 Milchtouren alle zwei Monate. Von allen Lebensmitteln wird die Milch am umfangreichsten überwacht, da sie im Hinblick auf Verbrauch, flächendeckende Erzeugung, bestehende Probenahmeeinrichtungen und auch wegen der Indikatorfunktion für die Kontamination anderer Lebensmittel ein ideales Probenmedium darstellt.

Der Cäsiumgehalt im gesamtösterreichische Durchschnitt in Milch liegt unter 1 Bq/kg.

garnierter Rehrücken

Darüber hinaus werden schwerpunktmäßig Fleischproben und Gesamtnahrungen (Menüs aus Gemeinschafts= verpflegungen) untersucht. Der Cäsiumgehalt im Fleisch hängt eng mit der Kontamination der verwendeten Futtermittel zusammen. So ist besonders in Fleisch von Rindern – die vorwiegend mit Gras gefüttert werden – Cäsium vorhanden (bis einige Bq/kg).

Während in den meisten landwirtschaftlichen Produkten Cäsium nicht mehr nachweisbar ist (Nachweisgrenze etwa 0,2 Bq/kg), können in Wildpilzen und wildwachsenden Beeren nach wie vor erhöhte Werte auftreten. Die Schwankungsbreite ist sehr groß und reicht von „nicht nachweisbar“ bis etwa 200 Bq/kg. Ausnahmen bilden lediglich Wildfleisch (nicht aus Gatterhaltung) und Maronenröhrlinge, die generell höhere Werte aufweisen (bis 1000 Bq/kg).

Strahlenbelastung durch Lebensmittel

Weil Österreich durch die Katastrophe von Tschernobyl zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa zählte, weisen importierte Lebensmittel im Durchschnitt geringere Belastungen auf als inländische.
Die Strahlenbelastung durch den Verzehr von Lebensmitteln mit zivilisatorisch bedingter Radioaktivität trägt weniger als 1 % zur jährlichen Gesamtdosis der Bevölkerung bei.

Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Graz

Institut: Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Graz
Ort: 8010, Beethovenstrasse 8
Dienstort: Graz

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