AKTUALISIERT: 10.11.2011

Trends aus dem Bereich Lebensmittelzusatzstoffe

AGES (c)

Nachdem über Jahre Zusatzstoffe in zahlreichen Lebensmitteln verwendet wurden, begleitet durch den "Convenience Food" Trend (Convenience = Bequemlichkeit, Food = Essen), ist eine Neubesinnung der Lebensmittelindustrie, bedingt durch eine sich ändernde Verbrauchererwartung, wahrnehmbar. Dies betrifft zum einen die Quantität, aber auch die Auswahl der verwendeten Zusatzstoffe.

Bei den Farbstoffen ist eine Entwicklung weg von synthetisch hergestellten Farbstoffen (z. B. Azofarbstoffen) hin zu "natürlichen" Farbstoffen und färbenden Lebensmitteln zu erkennen. Das Interesse an Süßstoffen aus der Natur hat in den vergangenen Jahren ebenfalls stark zugenommen. Die Suche nach geeigneten Stoffen stellt sich jedoch mitunter als schwierig heraus.

Bei der Untersuchung von Pflanzen auf medizinische Wirkstoffe

werden immer wieder natürliche Süßstoffe mit hoher Süßkraft gefunden, diese sind aber meist aufgrund geringer Hitzebeständigkeit, der gesundheitlichen Wirkung oder bestimmter technologischer Eigenschaften für die Verwendung in Lebensmitteln nicht geeignet. Ein Beispiel für "natürliche" intensive Süßungsmittel sind Steviolglycoside, die aus den Blättern der Stevia-Pflanze (Stevia rebaudiana Bertoni) extrahiert werden. Diese Substanzen, zu denen beispielsweise Steviosid und Rebaudiosid A gehören, sind 40 bis 300 Mal süßer als Saccharose. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat am 14. April 2010 ein wissenschaftliches Gutachten über die Sicherheit dieser Süßungsmittel im Rahmen von drei in Bezug auf Zulassungsanträge eingereichten Dossiers veröffentlicht und für deren sichere Verwendung einen Wert für die zulässige tägliche Aufnahmemenge festgelegt. Die Bewertung wurde an die Europäische Kommission übermittelt, die prüfen wird, ob sie die Substanzen in der Europäischen Union für ihre vorgeschlagene Verwendung zulassen wird.

Bei verderblichen Lebensmitteln ist der Einsatz von Konservierungsstoffen wichtig, um das Wachstum von Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen zu verhindern. Die "klassischen" Konservierungsmittel wirken, indem sie die Zellwand oder lebenswichtige Stoffwechselenzyme von Mikroorganismen angreifen.

Einen neuen Weg beschreibt der Einsatz von Bakteriophagen, einer Gruppe von Viren, die auf Bakterien und Archaeen als Wirtszellen spezialisiert sind. Die Phagen werden dazu eingesetzt, selektiv Schädlingskeime in Lebensmitteln zu befallen und abzutöten. Diese neue Art der Haltbarmachung kommt erst in einem sehr eingeschränkten Maß, beispielsweise zum Schutz von Käseoberfläche, zur Anwendung. Viele Fragen sind noch ungeklärt, etwa ob die Phagen im verzehrsfertigen Produkt noch enthalten sind und welche Wirkung diese auf unsere Darmflora haben könnten.

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Eine neue Technologie, die in jüngster Zeit auch bei  Zusatzstoffen an Bedeutung gewinnt,  ist die  "Nanotechnologie". Darunter versteht man die Nutzung der Eigenschaften von Stoffen und Strukturen unter 100 Nanometer (1.000.000 Nanometer entsprechen einem Millimeter).

Durch neue Emulsionstechniken lassen sich beispielsweise schlecht wasserlösliche Farbstoffe, aber auch Aromastoffe oder Vitamine in kleinsten Einheiten als sogenannte Nanoemulsion in flüssige Lebensmittel wie Getränke einbringen. Mit Hilfe dieser Technologie wird eine hohe Transparenz der Getränke und eine gute Stabilität der zugesetzen Zusatzstoffe erzielt.  Diese neue Technologie birgt große Chancen, aber auch Risiken. Daher schreibt die EG-Zusatzstoffverordnung vor, dass zugelassene Zusatzstoffe, die nanotechnologisch verändert wurden, einer neuerlichen Risikobewertung zu unterziehen sind und erst nach Vorliegen einer positiven Bewertung seitens der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und Aufnahme in die Positivliste der zitierten Verordnung als solche eingesetzt werden dürfen.

Bernhard Kuhn

Institut: LMS Spezialmatices, Spielzeug
Ort: 4021, Wieningerstrasse 8
Dienstort: Linz

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