Krebsprävention durch Ernährung
Krebserkrankungen stellen nach den Herz-Kreislauferkrankungen in Österreich die zweithäufigste Todesursache dar. Die Entwicklung von Krebserkrankungen ist ein komplexes Geschehen, an dem viele Faktoren und Mechanismen beteiligt sind. Neben einer gewissen genetischen Veranlagung spielen Umweltfaktoren einschließlich Lebensstilfaktoren eine Rolle.
Die Ernährung ist dabei nur ein Faktor, der das multikausale Krebsgeschehen beeinflussen kann. Wie stark dieser Einfluss ist, kann jedoch nur schwer quantifiziert werden. Ergebnisse von Einzelstudien und Tiermodellen werden immer wieder medienwirksam publiziert und führen so zur Verunsicherung in der Bevölkerung. Um den Zusammenhang zwischen einzelnen Ernährungs- und Lebensstilfaktoren und dem Krebsrisiko bewerten zu können, ist es jedoch notwendig, die Ergebnisse von verschiedenen wissenschaftlichen Studien zusammenzufassen, zu begutachten und hinsichtlich ihrer Aussagekraft zu bewerten. Basierend auf dieser systematischen Begutachtung können evidenzbasierte Aussagen in Bezug auf das Krebsrisiko gemacht und entsprechende Empfehlungen für die Krebsprävention daraus abgeleitet werden.
Der World Cancer Research Fund (WCRF) hat in Zusammenarbeit mit dem American Institute for Cancer Research (AICR) im Jahr 2007 die Ergebnisse eine solchen Übersichtsstudie zum Thema Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention als Expertenbericht publiziert. Im Rahmen dieser Arbeit wurden von etwa 200 Wissenschafter/-innen ungefähr 22.100 Arbeiten gesichtet, von denen annähernd 7.000 Studien in den Endbericht mit einbezogen wurden.
Die Ergebnisse dieser Übersichtsstudie machen deutlich, dass krebspräventive Kostformen vor allem durch einen großen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte charakterisiert sind. Eine solche Kostform ist bei einer relativ geringen Energiedichte reich an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und anderen bioaktiven Substanzen. Das Expertenpanel des WCRF empfiehlt daher täglich mindestens 400 g Obst und nicht-stärkehaltige Gemüsesorten wie beispielsweise grünes Blattgemüse, Brokkoli, Melanzani, Chinakohl etc. zu verzehren und Getreide und/oder Hülsenfrüchte als fixen Bestandteil in den Speiseplan einzubauen.
Laut Expertenbericht ist ein hoher Konsum von rotem Fleisch und Fleischprodukten mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten, insbesondere für Darmkrebs, assoziiert. Studien haben außerdem gezeigt, dass Menschen mit einem hohen Fleischkonsum zu einer generell ungünstigeren Lebensmittelauswahl neigen, weniger pflanzliche Lebensmittel konsumieren und dadurch auch weniger von den protektiven Effekten profitieren. Auch der Konsum von gepökelten und salzreichen Lebensmitteln sollte weitgehend eingeschränkt werden, da ein zu hoher Salzkonsum das Risiko für Magenkrebs erhöhen kann. Alkohol wurde ebenfalls als Risikofaktor für viele Krebsarten identifiziert und sollte, wenn überhaupt, nur in moderaten Mengen konsumiert werden.
Weiters hat sich gezeigt, dass neben der Ernährung die Vermeidung von übermäßiger Gewichtszunahme und regelmäßige körperlicher Aktivität wichtige Faktoren der Krebsprävention darstellen. Eine umfassende Empfehlung gilt daher der Vermeidung von Lebensmitteln und Getränken, die die Gewichtszunahme fördern.
Empfehlungen des World Cancer Research Fund (WCRF) zur Krebsprävention:
- Normales Körpergewicht (BMI = 18,5 – 24,9 kg/m2)
- Vermeidung von Gewichtszunahme und Zunahme des Bauchumfangs
- Limitierung des Verzehrs von energiedichten Lebensmitteln (> 225 kcal pro 100 g)
- Zuckerhaltige Getränke meiden
- Täglich mindestens fünf Portionen nicht-stärkehaltiges Gemüse und Obst (≥ 400 g/Tag) unter Berücksichtigung der Vielfalt
- Vollkorngetreide und/oder Hülsenfrüchte als Bestandteil jeder Mahlzeit
- Limitierung stark verarbeiteter, stärkehaltiger Lebensmittel
- Limitierung des Konsums von rotem Fleisch (von Schwein, Rind und Lamm) < 300 g pro Woche; Fleischprodukte, wenn überhaupt, selten konsumieren
- Sparsamer Umgang mit Salz. Konsum von verarbeiteten, gesalzenen Lebensmitteln einschränken (< 6 g Salz pro Tag)
- Gepökelte, gesalzene und salzige Lebensmittel meiden
- Lebensmittel ohne Salz konservieren
- Weitgehender Verzicht auf Alkohol. Falls Alkohol konsumiert wird: Frauen maximal ein Glas pro Tag, Männer maximal zwei Gläser pro Tag
- Täglich mindestens 30 Minuten Bewegung
- Zur Leistungssteigerung: täglich ≥ 60 Minuten moderate Bewegung oder ≥ 30 Minuten Bewegung mit gesteigerter Intensität
- Sitzende Tätigkeiten einschränken
Zusammenfassung
Im Sinne der Krebsprävention empfehlen der WCRF und das AICR, überwiegend pflanzliche Lebensmittel zu verzehren und rotes Fleisch und Wurstwaren, Alkohol und hochverarbeitete, energiedichte und salzige Lebensmittel nur in moderaten Mengen zu konsumieren. Dies spielt nicht nur in der Krebsprävention sondern auch im Gewichtsmanagement und in der Prävention von anderen ernährungsassoziierten Erkrankungen wie beispielsweise Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes Mellitus eine wichtige Rolle.
Literatur: World Cancer Research Fund / American Institute for Cancer Research.
Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention of Cancer: a Global Perspective.
Washington DC: AICR, 2007
Stand: 17.9.2009
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