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ERSTELLT: 19.04.2012

Information zu Kochlöffeln und anderen Koch- und Bratutensilien aus Melamin

Kochlöffel aus Melaminharz
Kochlöffel aus Melaminharz

Bei vielen am Markt erhältlichen Kochlöffeln und anderen Koch- und Bratutensilien (z. B. Bratenwender) aus Melaminharz kommt es bei Temperaturen ab etwa 100 °C und gleichzeitigem Kontakt mit sauren Lebensmitteln manchmal zur Freisetzung bedenklich hoher Mengen ihrer Ausgangsstoffe (Monomere) Melamin und Formaldehyd. Da es sich hierbei um einen chemischen Zersetzungsvorgang handelt, können selbst seit langem verwendete Küchenutensilien aus Melamin noch immer diese Stoffe abgeben – vor allem wenn sie bereits Sprünge, Risse oder thermische Schäden („Verkohlungsstellen“) aufweisen.

VerbraucherInnen können nicht direkt wahrnehmen, ob hohe Mengen von Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden. Vorsorglich werden daher Produkte aus anderen Werkstoffen für Brat- und Kochvorgänge empfohlen. Geeignet sind viele andere Kunststoffe, aber auch Holz (Kochlöffel) oder Metall (Bratenwender).

Erkennbar sind Melamin-Küchenutensilien entweder an ihrer Kennzeichnung „Melamin“ oder - da diese nicht verpflichtend ist - an ihrem Aussehen (siehe Foto). Es gibt diese Produkte in allen Farben, sie greifen sich hart und eher spröde an. Im neuwertigen Zustand glänzen sie an der Oberfläche, nach längerem Gebrauch wird die Oberfläche matt.

Hintergrund

Hintergrund zu dieser VerbraucherInneninformation sind Erkenntnisse aus der Kontrolltätigkeit der AGES und Veröffentlichungen des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (Stellungnahme Nr. 012/2011 des BfR vom 09.03.2011 und  FAQ des BfR vom 12.05. 2011 zur eingeschränkten Eignung dieses Materials ab Temperaturen von 100 °C).

Es zeigt sich, dass bei Anwendung der europaweit einheitlichen und gesetzlich vorgeschriebenen Prüfbedingungen für Melamin-Kochartikel die toxikologisch begründeten spezifischen Migrationsgrenzwerte für Formaldehyd (15 mg/kg Lebensmittel) und auch für Melamin (30 mg/kg Lebensmittel) häufig nicht eingehalten werden können. Zum Teil werden die Grenzwerte sogar um ein Vielfaches überschritten. Diese Produkte werden als gesundheitsschädlich beurteilt und von der Lebensmittelbehörde aus dem Handel genommen.

Die im Labor anzuwendenden Testbedingungen wirken auf den ersten Blick streng und unrealistisch: Die Produkte werden 2 Stunden in 3-prozentiger Essigsäure bei 100 °C gekocht. Die den Testbedingungen zugrunde liegenden Überlegungen gehen natürlich nicht davon aus, dass ein Kochlöffel durchgehend 2 Stunden bei 100 °C verwendet wird. Bei Bratvorgängen hingegen wird das Material weit höheren Temperaturen (heißes Öl erreicht 220 °C und mehr) ausgesetzt. Diese können mit dem wässrigen Prüfmedium nicht erreicht werden. Die längere Kontaktzeit soll die niedrigere Prüftemperatur kompensieren.

Ein Kochlöffel muss auch gleichzeitig Temperatur- und Säureeinwirkung standhalten (Einkochen von Marmelade, die auch ein ständiges Umrühren erfordert oder wenn bei der Gulaschzubereitung das in Fett angeröstete Zwiebel- und Paprikagemisch mit Essig aufgegossen wird).

Die Kennzeichnung mit Verwendungseinschränkungen (z. B. max. 15 Min. bei 175 °C, max. 10 Min. bei 100 °CNicht in heißer Pfanne/ Topf liegen lassen), wie sie von einigen Herstellern nun praktiziert wird, steht somit im Widerspruch zur normalen bzw. vorhersehbaren Verwendung.

Für die VerbraucherInnen ist nicht direkt wahrnehmbar, ob hohe Mengen von Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden. Allerdings kommt es aufgrund der Materialzersetzung zu optischen erkennbaren Veränderungen, wie Glanzverlust, Versprödung und Rissbildung, die wiederum eine weitere Schadstofffreisetzung begünstigen.  

Daher empfiehlt die AGES, auf Koch- und Bratutensilien wie Kochlöffel und Bratenwender aus Melaminkunststoff besser ganz zu verzichten. Geeignete Alternativen sind im Handel erhältlich.

LMS Tierische LM, Kosmetika, Gebrauchsgegenstände, Getränke

Institut: LMS Tierische LM, Kosmetika, Gebrauchsgegenstände, Getränke
Adresse: 1220 Wien, Spargelfeldstrasse 191

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