Stellungnahme zur Aussendung von Global 2000 zum Biomonitoring betreffend Rückstände von Alkylphosphaten im Urin von Schulkindern

Global 2000 hat in seiner Presseaussendung über die Untersuchung des Urins von fünf Probanden auf Rückstände von Alkylphosphaten hingewiesen. Laut der Aussendung von Global 2000 wäre das Vorkommen von Alkylphosphaten auf Rückständen von Organophosphaten auf Lebensmitteln insbesondere Obst zurückzuführen.

Von Global 2000 wurde der Prüfbericht des Umweltbundesamtes vom 27.4.2011 an die AGES übermittelt und von den ExpertInnen der Institute für Pflanzenschutzmittelbewertung und -zulassung sowie dem Bereich Daten, Statistik, Risikobewertung zur weiteren Stellungnahme bearbeitet.

Prinzipiell ist festzuhalten, dass ohne eine sorgfältige und detaillierte Erhebung sämtlicher möglichen Kontaminationsquellen (d.h. Erhebung der Lebensumstände der betreffenden Personen) ein direkter Zusammenhang mit dem Auftreten von  Alkylphosphaten im Urin mit möglichen Rückständen von Organophosphaten auf/in Lebensmitteln nicht herstellbar ist. Diesbezügliche Aussagen müssen auch aufgrund der geringen Probandenzahl und fehlenden Informationen mit größter wissenschaftlicher Sorgfalt getätigt werden.

Die Ergebnisse des Prüfberichtes:

Diethylphosphat (DEP) wurde bei den fünf Probanden, Dimethylphosphat (DMP) bei zwei Probanden über der Nachweisgrenze im Harn nachgewiesen. Der DEP-Gehalt im Urin lag bei einem Probanden unter der Bestimmungsgrenze. Die weiteren untersuchten Organophosphate (Diethyldithiophosphat (DEDTP), Diisobutylphosphat (DiBP) und Dichlorethylphosphat (DCEP)) konnten nicht nachgewiesen werden. Weiters wurde auf Kreatinin im Harn untersucht und die Messwerte der Alkylphosphate dann auf diese als einheitliche volumsunabhängige Bezugsgröße normiert.

Die Messwerte (µg/l Harn) betrugen:

Metabolit

1

2

3

4

5

DMP

n.n.

n.n.

54

19

n.n.

DEP

4,0

15

5,5

4,5

< 2,0

n.n. …… nicht nachweisbar 

Metabolit

1

2

3

4

5

DMP

n.n.

n.n.

168

9,4

n.n.

DEP

3,6

8,3

17,1

2,2

< 2,2

n.n. …… nicht nachweisbar

Auffällig sind die Ergebnisse von Proband 3, bei dem die Werte sowohl auf Harnvolumen als auch besonders auf Kreatinin bezogen (möglicherweise auch aufgrund des vergleichsweise niedrigen Kreatiningehaltes von ca. 32 mg/dl im Harn) höher sind als bei den anderen Probanden.

Bewertung der Ergebnisse:

Festzuhalten ist, dass die gefundenen Messwerte im Urin unter den Humanbiomonitoring Referenzwerten der deutschen „Kommission Human-Biomonitoring“ liegen:

DMP im Morgenurin

DEP im Morgenurin

siehe auch www.umweltdaten.de/gesundheit/monitor/tabelle-ref-werte-biozide_2009.pdf

Diese Referenzwerte sind zwar rein statistisch ermittelte Werte und erlauben keinen Rückschluss auf die gesundheitliche Relevanz. Jedoch deuten Überschreitungen derselben auf eine erhöhte Exposition gegenüber bestimmten Substanzen bzw. Substanzgruppen hin.

Aus dem Prüfbefund geht nicht hervor, wie und unter welchen Umständen diese Urinproben gewonnen wurden (Morgenurin oder Urin während des Tages)
Weiters ist dem Prüfbericht nicht zu entnehmen, welche Nahrungsmittel die fünf Probanden zu sich nahmen bzw. ob sie überhaupt Obst und aus dem Schulbuffet verzehrten. Unklar ist auch eine mögliche Exposition der fünf Personen gegenüber anderen Chemikalien, die keine Pflanzenschutzmittel wie z.B. Bioziden oder Flammschutzmittel, sind, jedoch ebenfalls ein Auftreten von Alkylphosphaten im Urin bedingen können.

Es gilt daher vorerst abzuklären welchen Ursprungs die Nachweise der Alkylphosphate in ihrer Kausalität sind, d.h. eine eingehende Untersuchung der Lebensumstände der fünf Personen unter besonderer Berücksichtigung möglicher Kontaminationsquellen sowohl über die Nahrung als auch sonstige Expositionen stellt aus wissenschaftlicher Sicht ein unbedingtes Erfordernis dar, ehe Aussagen – wie im gegenständlichen Fall von Global 2000 - getätigt werden.

Obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Auftreten der Metaboliten auf die Aufnahme von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen aufgrund von Rückständen in Lebensmitteln zurückzuführen ist, ist jedoch unbedingt zu bedenken, dass durchaus auch andere Quellen in Frage kommen. Ähnliche oder gleiche Organophosphate wie im Pflanzenschutz verwendet werden auch als Biozide, z.B. zur Schädlingsbekämpfung, eingesetzt. Weiters ist gerade Diethylphosphat, das ja bei allen Probanden nachgewiesen wurde, ein Flammschutzmittel (siehe z.B. www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/umweltthemen/gesundheit/fact_sheets/Fact_Sheet_Trisphosphate.pdf bzw. Studie des Umweltbundesamtes „LUKI – Luft und Kinder - Einfluss der Innenraumluft auf die Gesundheit von Kindern in Ganztagsschulen“ www.gendermedizin.at/inhalt/Download/LUKI_Studie.pdf).
Da gerade in öffentlichen Gebäuden, wie z.B. Schulen, die Brandschutzbestimmungen besonders streng sind, kann dort möglicherweise eine höhere Exposition mit derartigen Stoffen vermutet werden.

Somit ist ein direkter Zusammenhang mit dem Auftreten von  Alkylphosphaten im Urin mit möglichen Rückständen von Organophosphaten auf/in Lebensmitteln ohne eine sorgfältige und detaillierte Erhebung sämtlicher möglichen Kontaminationsquellen (d.h. Erhebung der Lebensumstände der betreffenden Personen) nicht herstellbar. Diesbezügliche Aussagen müssen auch aufgrund der geringen Probandenzahl und fehlenden Informationen mit größter wissenschaftlicher Sorgfalt getätigt werden.

Risikobewertung

Institut: Risikobewertung
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien

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