Stellungnahme der AGES zur Dioxin-Belastung in Österreich
Seit Bekanntwerden der Dioxinproblematik vor mehreren Jahrzehnten wird die Dioxinbelastung der Bevölkerung von den staatlichen Stellen sehr ernst genommen. Aufgrund der hohen Giftigkeit von Dioxin und dioxinähnlichen Substanzen (PCB) ist es sehr wichtig, den Dioxinausstoß in die Umwelt möglichst gering zu halten.
Überwachungsprogramme zeigen, dass es gelungen ist, die Dioxinbelastung der Bevölkerung deutlich zu senken. Einen Hinweis dazu gibt eine Studie der WHO (Inheriting the World: the Atlas of Children’s Health and the Environment 2004), dass die Belastung der Muttermilch/Frauenmilch von 1988 bis 2002 erheblich reduziert werden konnte (Deutschland: Reduktion auf ein Drittel, Niederland etwa die Hälfte).
AGES-Studie zur Dioxinaufnahme durch Lebensmittel in Österreich
Eine Risikobewertung der AGES zur Dioxinaufnahme der österreichischen Bevölkerung über Lebensmittel ergab, dass die von der WHO für die Schadstoffgruppen der Dioxine und dioxinähnlichen PCB festgelegte tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (PTWI) von 14 Picogramm pro Kilogramm Körpergewicht, im Wesentlichen eingehalten wird. Da in den letzten Jahren im Rahmen der amtlichen Lebensmittelkontrolle in Österreich keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt wurden, sind die Ergebnisse der Risikobewertung weiterhin aktuell.
Kurzfristige Überschreitungen stellen keine Gesundheitsgefahr dar
Wesentlich für die Verbrauchergesundheit sind daher Langzeitbeobachtungen, da Dioxine im Fett des Körpers gespeichert werden. Die einmalige oder kurzfristige Überschreitung der tolerierbaren wöchtenlichen Aufnahme über höher belastete Lebensmittel führt nicht zwingend zu einer Gefährdung des Menschen, da diese auf Grundlage einer lebenslangen Aufnahme des Stoffes berechnet wurde.
Muttermilch ist Indikator für Dioxin-Belastung des Menschen
Die Frauenmilch gilt auch als Indikator für die Belastung des Menschen mit Dioxinen. Frauenmilch ist sehr fettreich und eignet sich daher sehr gut dazu, die Rückstände von Dioxinen im menschlichen Fettgewebe anzuzeigen. Langjährige Untersuchungsreihen haben gezeigt, dass sich der Erfolg der getroffenen Reduzierungsmaßnahmen auch in der Frauenmilch widerspiegelt. Der Dioxingehalt von Frauenmilch in Deutschland ist seit Ende der 80er Jahre um 60 Prozent zurückgegangen. ZUr Dioxin-Belastung der Muttermilch siehe auch WHO-Kindergesundheitsbericht Kapitel 15 / S. 19).
Akute Dioxinvergiftungen durch Aufnahme stark überhöhter Mengen
Im Gegensatz zur Aufnahme von geringsten Mengen Dioxin über Lebensmittel werden bei einer akuten Dioxinvergiftung hohe Mengen an Dioxin aufgenommen. Die dafür erforderlichen Mengen liegen in der Größenordnung von mg und damit um fast das Millionenfache über den in Lebensmitteln gemessenen Werten: Eine akute Dioxinvergiftung kann zu
• Chlorakne,
• Leberfunktionsstörungen,
• Kopfschmerzen,
• Neuropathien und
• Reizerscheinungen an den Atemwegen
führen. Primär wurden solche hohen Konzentrationen bei Chemieunfällen wie Seveso in Italien oder bei berufsbedingten Expositionen von Arbeitern in Chemiefabriken berichtet. Auch der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Juschtschenko litt an einer akuten Dioxinvergiftung.
Darstellung der Größenordnung der Dioxin-Grenzwerte
Die von der AGES angegebenen Ergebnisse der Gehalten verschiedener Stoffe in Lebensmitteln, Futtermitteln oder anderen Matrices werden in den verschiedensten Konzentrationen angegeben. Folgende Darstellung zur Größenordnung der Grenzwerte für Dioxin, die in Picogramm (1 Picogramm = 1 Billionstel Gramm) pro Gramm Fett festgelegt sind:
1 pg/g Fett entspricht 0,000000000001g/g Fett entspricht umgerechnet und bildlich gesprochen:
• einem Weizenkorn in einem Schiff mit 50.000 Tonnen Weizen oder
• einem Teelöffel Zucker in einem kleinen See mit 2,500.000.000 Liter Wasser
Weiterführende Links
Umweltbundesamt zu Dioxin und erfolgreicher Reduktion der Dioxin-Belastung
AGES-Studie zur Dioxin-Belastung in Österreich
Johann Steinwider
Institut: Risikobewertung
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
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Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit