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AKTUALISIERT: 22.01.2013, 10:41 UHR

Masthilfsmittel

Was sind Masthilfsmittel?

Masthilfsmittel sind Substanzen, die bei Masttieren zum Zwecke der Erhöhung der Muskelmasse eingesetzt werden, um damit einen ökonomischen Vorteil zu erzielen. Im engeren Sinne handelt es sich dabei um Anabolika, die den Aufbau von körpereigenem Gewebe vorwiegend durch eine verstärkte Proteinsynthese fördern. Zu den Substanzen mit anaboler Wirkung zählen insbesondere die anabolen Steroide und beta-Agonisten, aber auch Stilbene, Zeranol. Andere Substanzen (etwa Gestagene, Corticosteroide) sind an sich zwar keine Masthilfsmittel, können aber in Kombination mit anderen Stoffen (z.B. Östradiol, 19-Nortestosteron, ß-Agonisten) eine wachstumsfördernde Wirkung entfalten. Im Falle von Thyreostatika erfolgt die Gewichtszunahme im Wesentlichen durch eine vermehrte Wassereinlagerung im Gewebe.

Ähnlich wie die Auswirkungen des Dopings auf den menschlichen Körper (z.B. Organschädigungen) wirken sich Masthilfsmittel ebenfalls schädlich auf den tierischen Organismus aus. Darüber hinaus sind von einigen Substanzen gesundheitsschädliche Wirkungen für den Verbraucher, wie etwa kanzerogene Eigenschaften bekannt.

Gesetzliche Regelung

Aus Gründen des Tierschutzes und des Konsumentenschutzes, sowie aus ökonomischen Gründen (betrieblicher Konkurrenzvorteil) ist der Einsatz von Masthilfsmitteln bei Nutztieren und Tieren der Aquakultur in der Europäischen Union verboten (Richtlinie 96/22/EG, Richtlinie 2008/97/EG).
Für einige Substanzen gibt es für bestimmte Zwecke Ausnahmeregelungen, wie etwa zu therapeutischen Zwecken oder zum Zwecke der Tierzucht. Eine derartige Anwendung darf nur von einem Tierarzt vorgenommen werden und ist aufzeichnungspflichtig.
Für die zugelassenen Stoffe (z.B. Clenbuterol, Betamethason, Dexamethason) gibt es Grenzwerte, die in der Verordnung (EU) 37/2010 festgelegt sind.

Bei der Beurteilung der Analysenergebnisse ist zu beachten, dass einige Substanzen auch natürlich vorkommen, also endogen gebildet werden können, oder aber als Metaboliten von Phytohormonen, die über die Nahrung aufgenommen werden, im tierischen Organismus entstehen können. So kann etwa 17α-Boldenon bei Rindern, 17α-19-Nortestosteron bei trächtigen Rindern ca. 3 Wochen vor der Geburt, bei neugeborenen Kälbern und auch bei Schafen, oder 17ß-19-Nortestosteron bei nicht kastrierten männlichen Schweinen und Pferden natürlich vorkommen.

Die Kontrolle auf Rückstände von Masthilfsmitteln

Die illegale Anwendung von Masthilfsmitteln wird im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP) überwacht. Kontrolliert werden lebende Tierbestände sowie Tiere anlässlich der Schlachtung, so dass die Rückverfolgbarkeit zum Produzenten gewährleistet ist. Da der NRKP dem vorbeugenden Verbraucherschutz dient, erfolgt die Probenahme zielorientiert, indem Kenntnisse über regionale oder örtliche Gegebenheiten berücksichtigt werden und Hinweisen oder einem Verdacht auf unzulässige Tierbehandlungen nachgegangen wird.

Das Kompetenzzentrum Tierarzneimittel und Hormone (CC TAHO) ist mit den Untersuchungen auf illegal eingesetzte Masthilfsmittel im Rahmen des NRKP betraut und für diese Substanzen auch Nationales Referenzlabor.

Analysenverfahren und Untersuchungsspektrum

Aufgrund der Verschiedenartigkeit der chemisch-physikalischen Eigenschaften der Substanzen bzw. der unterschiedlichen Matrices (Gewebe, Blut, Harn, etc.) werden mehrere Analyseverfahren angewendet.
In der Regel wird zum Zwecke einer raschen und kostengünstigen Untersuchungserledigung zunächst ein Screening der Proben auf mögliche positive Ergebnisse durchgeführt. Bei nicht-negativen Screeningergebnissen erfolgt eine Untersuchung mittels Bestätigungsmethode. Gemäß Entscheidung der Kommission 2002/657/EG sind für verbotene Substanzen Bestätigungsmethoden mit massenspektrometrischer Detektion erforderlich.

Am CC TAHO werden als Screeningverfahren ELISA, RIA, HPLC/DAD und GC/MS eingesetzt. Bestätigungsuntersuchungen werden mittels LC/MS-MS durchgeführt.

Folgende Auflistung gibt einen Überblick über das Untersuchungsspektrum und die angewendeten Analysenverfahren.

ELISA (Enzyme-linked Immunosorbent Assay)

  • Stilbene in tierischem Gewebe: Dienestrol, Diethylstilbestrol, Hexestrol
  • Testosteron in Plasma: 17α-Testosteron, 17ß-Testosteron
  • 19-Nortestosteron in tierischem Gewebe: 19-Nortestosteron-17 α, 19-Nortestosteron-17β (Nandrolon)
  • Trenbolon in tierischem Gewebe und Harn: Trenbolon-17 α, Trenbolon-17ß
  • Gestagene in Nierenfett: Medroxyprogesteronacetat, Chlormadinonacetat, Megestrolacetat
  • ß-Agonisten in Harn und Plasma: Clenbuterol, Salbutamol, Cimaterol, Brombuterol
  • Corticosteroide in tierischem Gewebe, Milch und Harn: Betamethason, Dexamethason, Flumethason

RIA (Radioimmunoassay)

  • Östradiol in Plasma: 17ß-Östradiol
  • Zeranol in tierischem Gewebe und Harn: Zeranol (= α-Zearalanol), Taleranol (= ß-Zearalanol), α-Zearalenol, ß-Zearalenol, Zearalenon

HPLC/DAD (Hochdruckflüssigkeitschromatographie mit Diodenarraydetektion)

  • Thyreostatika in Schilddrüse und Futtermittel: 2-Thiouracil, 4-Methyl-2-thiouracil, 4-Propyl-2-thiouracil, Tapazol

GC/MS (Gaschromatographie mit massenspektrometrischer Detektion)

  • Steroidhormone und Stilbene in Harn: Dienestrol, Diethylstilbestrol, Hexestrol, Ethinylestradiol, α-Boldenon, ß-Boldenon, α-Nortestosteron, ß-Nortestosteron, Methylboldenon, Methyltestosteron, α-Östradiol, ß-Östradiol, α-Testosteron, ß-Testosteron

LC/MS-MS (HPLC mit massenspektrometrischer Detektion)

  • ß-Agonisten in tierischem Gewebe: Brombuterol, Carbuterol, Cimaterol, Cimbuterol, Clenbuterol, Fenoterol, Isoxsuprin, Mabuterol, Mapenterol, Ractopamin, Salbutamol, Terbutalin, Zilpaterol
  • 19-Nortestosteron und Trenbolon in Harn: 19-Nortestosteron-17 α, 19-Nortestosteron-17β (Nandrolon), Trenbolon-17 α, Trenbolon-17ß

Gesetzliche Grundlagen

  • Richtlinie 96/22/EG des Rates vom 29. April 1996 über das Verbot der Verwendung bestimmter Stoffe mit hormonaler bzw. thyreostatischer Wirkung und von ß-Agonisten in der tierischen Erzeugung und zur Aufhebung der Richtlinien 81/602/EWG, 88/146/EWG und 88/299/EWG (ABl. EG Nr. L 125 vom 23.5.1996).
  • Verordnung der Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales betreffend das Verbot von Arzneimitteln, die bestimmte Stoffe mit hormonaler oder thyreostatischer Wirkung oder ß-Agonisten enthalten (BGBl II Nr. 280/1997 vom 25.09.1997).
  • Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen betreffend das Verbot des In-Verkehr-Bringens von Arzneimitteln, die bestimmte Stoffe mit hormonaler oder thyreostatischer Wirkung oder ß-Agonisten enthalten (BGBl. II Nr. 430/2004 vom 12.11.2004).
  • Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen über die Anwendung von bestimmten Stoffen mit hormonaler oder thyreostatischer Wirkung und von Beta-Agonisten in der tierischen Erzeugung (Hormonverordnung) (BGBl. II Nr. 352/2005 vom 25.10.2005).
  • Richtlinie 2008/97/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. November 2008 zur Änderung der Richtlinie 96/22/EG über das Verbot der Verwendung bestimmter Stoffe mit hormonaler bzw. thyreostatischer Wirkung und von ß-Agonisten in der tierischen Erzeugung (ABl. EG Nr. L 318 vom 28.11.2008).
  • Verordnung (EU) Nr. 37/2010 der Kommission vom 22. Dezember 2009 über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs (ABl. EU Nr. L 15 vom 20.1.2010).
  • Entscheidung der Kommission 2002/657/EG vom 12. August 2002 zur Umsetzung der Richtlinie 96/23/EG des Rates betreffend die Durchführung von Analysenmethoden und Auswertung von Ergebnissen (ABl. EG Nr. L 221 vom 17.8.2002).


Bildquelle Rind: Verena N., www.pixelio.de


Stand: 04.02.2010

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