Informationen zu Listeriose-Ausbruch
Listeriose ist eine durch die Bakterienart Listerien verursachte Erkrankung. Listerien kommen in der Umwelt weit verbreitet vor, daher können auch Lebensmittel tierischer Herkunft wie Rohmilch, Weichkäse, Räucherfisch oder rohes Fleisch und Geflügel verunreinigt werden. Die Aufnahme der Erreger erfolgt daher auch hauptsächlich durch den Verzehr von kontaminierten tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln.
Für eine Infektion sind relativ hohe Keimzahlen nötig, ca. 100.000/g Lebensmittel. Zum Vergleich: Der Grenzwert für Lebensmittel liegt bei 100 Keimen/g. Die Inkubationszeit beträgt meist drei Wochen (drei bis 70 Tage). Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion meist ohne Krankheitszeichen bzw. als Durchfall; bei Menschen mit schwacher Immunlage kann sie aber zu Hirn- oder Hirnhautentzündung sowie Sepsis (Blutvergiftung) führen.
Listeriose tritt selten auf, allerdings ist in den vergangenen Jahren ein leichter Anstieg zu verzeichnen: 2009 wurden in Österreich von der AGES-Referenzzentrale 45 Fälle kulturell verifiziert. 2008 waren es 31 Fälle, 2007 waren es 20 Fälle. Die Krankheit ist aber gefährlich: Trotz gezielter Therapie verläuft sie in bis zu 30 Prozent der Fälle tödlich. 2009 starben 11 der 45 erkrankten Personen (Letalität 24 Prozent). Diese hohe Sterblichkeit und gelegentlich auftretende schwerste Dauerschäden erfordern gezielte Maßnahmen, um etwaige lebensmittelbedingte Ausbrüche frühestmöglich zu erkennen.
Ausbruchsabklärung
Da Listeriosen meist sporadisch als Einzelfälle auftreten, ist die Ursache schwer zu lokalisieren. In Österreich werden daher alle Isolate von Listeriosefällen an die nationale Referenzzentrale für Listerien der AGES übermittelt und hier molekulargenetisch feintypisiert. Im August des Vorjahrs wurde in drei Einsendungen ein identischer, weltweit neuartiger Ausbruchsstamm festgestellt. Bis zum Jahresende erhöhte sich die Zahl der österreichischen Ausbruchs-Fälle auf zwölf, davon vier Todesfälle. Die vier Todesfälle betrafen Männer im Alter von 57, 61, 84 sowie 88 Jahren. Zwei der Opfer stammten aus Niederösterreich, eines aus dem Burgenland und eines aus Wien. Bis auf einen hatten alle Männer schwere Vorerkrankungen. Heuer wurden bis zum 15. Februar elf humane Listeriose-Fälle registriert. Zumindest drei Personen konnten diesem Ausbruch zugeordnet werden. In zwei Fällen wurde kein Zusammenhang zu dem genannten Ausbruch hergestellt. Für die restlichen sechs liegt noch kein Ergebnis vor. Betroffen sind alle Bundesländer außer Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich.
Da die Infektionsquelle zum Zeitpunkt, als die ersten Ausbruchsfälle auftraten, nicht bekannt war, wurde durch das AGES-Kompetenzzentrum Infektionsepidemiologie eine Ausbruchsabklärung gestartet. In enger Zusammenarbeit mit den Patienten/-innen wurde mittels einer epidemiologischen Fall-Kontroll-Studie nach dem ursächlichen Lebensmittel gesucht. Die Methode klingt kompliziert, ist aber simpel und war effektiv: Die Patienten/-innen wurden gebeten, nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus über einen Zeitraum von drei Wochen ihre Einkaufsrechungen für die AGES zu sammeln. Aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Patienten (75 Jahre) ging man davon aus, dass sie ihre Ernährungsgewohnheiten auch nach einem Krankenhausaufenthalt nicht ändern. Der Vergleich der Rechnungen ergab einen gemeinsamen Nenner – bei drei von sieben Patienten schien ein bestimmter Quargel auf den Rechnungen auf. Auf Befragung bestätigten auch die restlichen Patienten, dass sie diesen Quargel gegessen hatten. Bei einer Kontrollgruppe – Listeriose-Patienten, die nicht mit diesem Ausbruch in Verbindung standen – war dieser Quargel nicht zu finden.
Im Bereich Lebensmittel erfolgt die Feintypisierung von Listerien-Proben am nationalen Referenzlabor für Listerien in Lebensmitteln, ebenfalls in der AGES. Hier konnte in einer Probe vom Lebensmittel ebenfalls besagter Ausbruchsstamm festgestellt werden. Somit war die Verbindung zwischen Erkrankungen und Lebensmittel auch mikrobiologisch bestätigt. Die Produktion wurde eingestellt, die betroffenen Waren am 23. Jänner 2010 zurückgerufen.
Was ist ein lebensmittelbedingter Krankheitsausbruch?
Ziel der Ausbruchsabklärung ist immer, die Quelle der Infektion zu finden – je früher in der Lebensmittelkette, desto besser.
Definiert ist ein lebensmittelbedingter Krankheitsausbruch als das unter gegebenen Umständen festgestellte Auftreten einer mit demselben Lebensmittel oder mit demselben Lebensmittelunternehmen in Zusammenhang stehenden oder wahrscheinlich in Zusammenhang stehenden Krankheit und/oder Infektion in mindestens zwei Fällen beim Menschen oder eine Situation, in der sich die festgestellten Fälle stärker häufen als erwartet.
Als Ausbruchsfälle gelten all jene Fälle, die miteinander in einem epidemiologischen Zusammenhang stehen, d. h. entweder mit einem bestätigten Fall Kontakt hatten oder der gleichen Exposition wie ein bestätigter Fall unterlagen (d. h. Lebensmittel derselben Herkunft verzehrt haben, in derselben Kantine gespeist haben usw.). All jene Fälle, die nicht als Ausbruchsfall gelten, werden als Einzelfall klassifiziert. Die Falldefinitionen für die Meldung übertragbarer Krankheiten an das Gemeinschaftsnetz zur Überwachung von Infektionskrankheiten entsprechen den Vorgaben der Entscheidung der Kommission 2002/253/EG.
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit