FAQ Listerien
Was sind Listerien?
Listerien sind hinsichtlich ihres Lebensraums anspruchslose und widerstandsfähige Bakterien. Für die menschliche Gesundheit ist fast ausschließlich die Spezies Listeria monocytogenes von Bedeutung. Listerien kommen in der Umwelt weit verbreitet vor, sowohl in Abwässern, der Erde, in Kompost und auf Pflanzen. Auch Lebensmittel tierischer Herkunft wie Rohmilch, Weichkäse, Räucherfisch oder rohes Fleisch und Geflügel können z. B. beim Melken und Schlachten, aber auch in der Weiterverarbeitung, verunreinigt werden. Auf Grund ihrer für Bakterien ungewöhnlichen Fähigkeit zu Wachstum bei niedrigen Temperaturen können sich Listerien auch im Kühlschrank vermehren.
Wie gefährlich sind Listerien?
Bei gesunden Erwachsenen verläuft eine Infektion meist ohne Krankheitszeichen bzw. als Durchfall. Im Allgemeinen schützt das menschliche Immunsystem ausreichend gegen schwere Krankheitsverläufe und viele Infektionen gehen praktisch unbemerkt und ohne besondere Folgen vonstatten.
Schwere Erkrankungen kommen meist nur bei immungeschwächten Menschen vor (Krebserkrankungen, bei hochdosierter Cortisontherapie usw.). Bei ihnen äußert sich eine Erkrankung in heftigen Kopfschmerzen, starkem Fieber, Übelkeit und Erbrechen. In der Folge kann es zu Hirn- bzw. Hirnhautentzündung oder einer Sepsis (Blutvergiftung) kommen, die bei rund einem Viertel der Patienten tödlich enden. Die Erreger können aber auch an anderen Körperstellen entzündliche Prozesse verursachen (z. B. Wirbelkörperentzündungen), diese Folgen werden aber selten beobachtet.
Bei Schwangeren verläuft die Erkrankung meist unauffällig, allerdings besteht die Gefahr einer Infektion des ungeborenen Kindes mit dem Risiko, dass es zu einer Früh- oder Totgeburt kommt. Infizierte Säuglinge erkranken häufig an einer Hirnhautentzündung.
Da die Wahrscheinlichkeit einer Infektion sehr gering ist (geringer als die Nebenwirkungsrate einer Antibiotikatherapie), wird von einer vorsorglichen Antibiotikagabe abgeraten. Sollte eine Schwangere Zeichen von Durchfall haben, so wird ein Arztbesuch mit einer bakteriologischen Stuhluntersuchung gezielt auf Listerien (z. B. AGES-MED Wien) angeraten. Nur wenn dann Listeria monocytogenes nachgewiesen würde, wäre eine Antibiotikaprophylaxe indiziert.
Sollte eine Schwangere in den Tagen vor der Entbindung Zeichen wie bei einem "Grippalen Infekt" haben, dann wäre auch hier eine gezielte Diagnostik (in diesem Fall eine Blutkultur) angezeigt.
Für eine Infektion sind relativ hohe Keimzahlen nötig, ca. 100.000/g Lebensmittel. Zum Vergleich: Werden Lebensmittelproben im Handel gezogen, dürfen zum Ende der Verbrauchsfrist nicht mehr als 100 Keime/g Lebensmittel vorhanden sein (Ausnahme: Bei Säuglingsnahrung und Spezialprodukten für besondere medizinische Zwecke gilt Nulltoleranz). Das bedeutet, dass man ein Kilo eines Lebensmittels, z. B. Käse, auf ein Mal essen müsste, um die Keimzahl, die zu einer Infektion führen kann, überhaupt zu erreichen.
Ich habe ein Lebensmittel gegessen, das vielleicht mit Listerien belastet ist. Was soll ich jetzt tun?
Die Listeriose genannte Krankheit tritt sehr selten auf. Pro Jahr erkranken in Österreich ca. sechs von einer Million Personen daran. Das bedeutet: So lange man keine der oben genannten klinischen Beschwerden aufweist, kann man davon ausgehen, dass man nicht infiziert ist.
Es gibt leider keine wirklich empfehlenswerten Labortests, um bei beschwerdefreien Menschen, die Listerien-kontaminierte Lebensmittel gegessen haben, die Infektion vor Auftreten der Erkrankung nachzuweisen. Ein eventueller Nachweis von Listerien im Stuhl ist grundsätzlich möglich. Das sehr geringe Risiko einer Erkrankung rechtfertigt auch keine vorsorgliche Antibiotikabehandlung.
Wenn aber Beschwerden auftreten (Fieber, heftige Kopfschmerzen, Durchfall, grippeartige Symptome) sollte ein Arzt aufgesucht und auf den Verzehr eines möglicherweise Listerien-kontaminierten Lebensmittels hingewiesen werden. Der behandelnde Arzt kann dann eine Listerieninfektion in seine differentialdiagnostischen Überlegungen einbeziehen und bei Notwendigkeit einer Antibiotikabehandlung ein Antibiotikum (z. B. Amoxicillin) wählen, das auch auf Listerien optimal wirkt.
Die Inkubationszeit, d. h. die Zeit zwischen der Aufnahme der Bakterien und dem Auftreten schwerer Krankheitsbeschwerden, liegt meistens bei drei Wochen. In seltenen Fällen kann die Erkrankung aber auch erst nach bis zu 70 Tagen auftreten.
Wie soll ich meinen Kühlschrank/meine Tiefkühltruhe reinigen?
Der Kühlschrank sollte regelmäßig mit einem haushaltsüblichen Reiniger mit ordentlicher Fettlösekraft gründlich gereinigt werden. Bei Bedarf vorher abtauen (Vereisung als Quelle für Schwitzwasser vermeiden). Schwitzwasser und Feuchtigkeit sollten möglichst beseitigt werden, da die Keime zum Wachstum Feuchtigkeit benötigen. Risikopersonen (betagt, immungeschwächt, schwanger) sollten die Reinigung möglichst Angehörigen überlassen. Besonders, wenn Risikopersonen im Haushalt sind, sollten Aufbewahrungsbehältnisse und Geschirr heiß gespült werden (idealerweise im Geschirrspüler, bei Risikopersonen Eco- und Niedrigtemperaturprogramme vermeiden).
Für die Reinigung verwendet man am besten Einmalpapier (Küchenrolle). Werden Putztücher, Fetzen und Handtücher eingesetzt, müssen diese häufig gewechselt bzw. heiß gewaschen (Kochwaschgang der Waschmaschine). Desinfektionsmittel (oft alkoholisch) sind meist entzündlich, deshalb kann die Anwendung im elektrisch betriebenen Kühlschrank evtl. gefährlich sein. Sie wirken nur, wenn auch der winzigste Fettfilm entfernt ist, weil Listerien selbst in dünnsten Fettschmieren nicht zuverlässig durch Desinfektionsmittel abgetötet werden.
Wichtiger als Desinfektionsmittel sind möglichst saubere, fettfreie und trockene Oberflächen im Kühlschrank. Es muss trotzdem damit gerechnet werden, dass in Nischen, Ecken und im Schwitzwasserablauf noch Listerien die Putzaktion überleben. Deshalb sollte die Reinigung des Kühlschranks häufiger wiederholt werden (zwei Mal pro Woche).
Unterschiedliche Lebensmittel sollten im Kühlschrank in getrennten, flüssigkeitsdichten und sauberen Behältnissen (ideal: verschließbare Dosen) gelagert und bald vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum verbraucht werden.
Solange Lebensmittel in der Tiefkühltruhe ungeöffnet, flüssigkeitsdicht und von außen nicht verschmutzt/fettig/klebrig sind, werden die anderen Lebensmittel und der Tiefkühlschrank nicht verunreinigt: Lebensmittel also einfach ungeöffnet in den Abfall werfen. Die Tiefkühltruhe hat gegenüber dem Kühlschrank den Vorteil, dass sich Listerien bei Minustemperaturen nicht vermehren können.
Wie kann ich vorbeugen?
Die Einhaltung allgemeiner Küchenhygiene-Regeln spielt eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von Infektionen mit Listerie
- Fleisch- und Fischgerichte sollten daher gründlich durchgegart, Rohmilch abgekocht und Faschiertes nicht roh gegessen werden.
- Regelmäßiges Händewaschen (vor der Zubereitung von Speisen) ist eine weitere wichtige Maßnahme zum Schutz vor Erregern. Auch sollten Obst, Gemüse und Salate vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.
- Die Zubereitung von Fleisch und rohem Gemüse muss in der Küche auf getrennten Arbeitsflächen oder zeitlich getrennt vorgenommen werden. Diese Arbeitsflächen sollten nach Gebrauch gründlich gereinigt werden.
- Frisch gekochte Speisen sollten bei der Lagerung im Kühlschrank abgedeckt werden, damit Keime nicht nachträglich in die Speisen gelangen können.
Weitere Informationen der AGES zum Thema:
AGES
Ort: 1220, Spargelfeldstraße 191
Dienstort: Wien
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Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit