Lebensmittelbestrahlung
Verfahren
Die Lebensmittelbestrahlung stellt ein physikalisches Konservierungsverfahren durch Behandlung mit ionisierender Strahlung dar. Als ionisierende Strahlung werden typischerweise Elektronen oder die Gammastrahlung aus dem radioaktiven Zerfall von Cobalt-60 verwendet. Durch die Bestrahlung wird das Lebensmittel jedoch nicht radioaktiv.
Die Behandlung mit ionisierender Strahlung bewirkt eine Abtötung von Mikroorganismen sowie die Verzögerung von Reifungs- und Keimungsprozessen und somit eine Verlängerung der Haltbarkeit.
Rechtliche Regelungen
Die rechtlichen Grundlagen der Lebensmittelbestrahlung sind in Österreich im §9 LMSVG geregelt. Demnach ist es verboten, Lebensmittel ohne Zulassung mit ionisierenden Strahlen zu behandeln bzw. in Verkehr zu bringen.
Auf EU-Ebene ist die Lebensmittelbestrahlung in der Rahmenrichtlinie 1999/2/EG (legt u. a. die Kennzeichnung fest) und in der Durchführungsrichtlinie 1999/3/EG (enthält die Liste der EU-weit zur Bestrahlung zugelassenen Produkte) geregelt.
In Österreich dürfen derzeit aufgrund der EU-Richtlinie 1999/3/EG nur getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze bestrahlt werden. Darüber hinausgehende nationale Zulassungen gibt es nicht, während in anderen Ländern eine Reihe von Lebensmitteln bestrahlt werden dürfen. Bestrahlte Lebensmittel sind mit dem Hinweis „bestrahlt“ oder „mit ionisierenden Strahlen behandelt“ zu kennzeichnen.
Nachweisverfahren
Der Nachweis einer erfolgten Lebensmittelbestrahlung beruht entweder auf „eingefrorenen“ angeregten Ladungszuständen oder auf Radikalspezies, die während der Bestrahlung entstehen, bzw. deren Folgeprodukten. Nachstehend werden die verschiedenen Analysenverfahren kurz beschrieben.
- Lumineszenzmessungen
Diese Verfahren basieren auf durch die Bestrahlung angeregten Ladungsträgern mineralischer Verunreinigungen im Lebensmittel, z.B. Erdspuren. Durch Energiezufuhr (Wärme oder Licht) fallen die Ladungsträger in den Grundzustand zurück. Die dabei auftretende Lumineszenz wird gemessen. Hierzu zählen die photostimulierte Lumineszenz (PSL), die eine rasche Screeningmethode darstellt, und die aufwendigere Thermolumineszenz (TL), die zur Absicherung eingesetzt wird.
Anwendungsbereiche sind z.B. Gewürze und Tees.
- Elektronenspinresonanz (ESR)
Bei der Bestrahlung werden in kristallinen Strukturen (Knochen, Schalen, etc.) stabile Radikale gebildet. Diese absorbieren in einem Magnetfeld Mikrowellenstrahlen.
Mit diesem Verfahren werden Geflügel, Lamm, Fische, Schalentiere, etc. untersucht.
- Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) von Fett-Radiolyse-Produkten
In fetthaltigen Lebensmitteln führen die bei der Bestrahlung erzeugten Radikale zur Bildung von 2-Alkylcyclobutanonen, welche strahlungsspezifische Markersubstanzen darstellen und mittels GC-MS-Analyse im Headspace nachgewiesen werden können.
Diese Methode wird z.B. bei Fleisch- und Fischproben angewendet.
Untersuchungen auf Lebensmittelbestrahlung
Das Kompetenzzentrum Rückstandsanalytik Wien (CC RANA) ist österreichweit die einzige Stelle, die routinemäßig Untersuchungen auf die Bestrahlung von Lebensmitteln durchführt. Das Kompetenzzentrum verfügt dazu über eine Reihe an Spezialgeräten und kann dadurch sämtliche o.g. Methoden anwenden.
Um festzustellen, ob bestrahlte Kräuter und Gewürze ordnungsgemäß gekennzeichnet oder andere Lebensmittel einer unzulässigen Behandlung mit ionisierenden Strahlen unterzogen worden sind, werden im Rahmen der amtlichen Lebensmittelkontrolle unterschiedlichste Lebensmittel, u. a. Gewürze, Kräutertees und Geflügel, untersucht.
Das Kompetenzzentrum bietet aber auch privaten Auftraggebern aus Produktion und Handel sowie anderen Untersuchungslabors die Dienstleistungen auf dem Gebiet dieser Spezialanalytik an.
Aktuelle Untersuchungsergebnisse
Im Jahr 2010 wurden u.a. 125 Gewürz- und Teeproben sowie 40 Geflügelproben untersucht.
Die nachstehende Grafik zeigt detailliert welche und wie viele Proben mit welchen Methoden untersucht worden sind.
Insgesamt wurden im Jahr 2010 knapp 200 Proben untersucht. Davon konnte bei 1 Gewürz eine Bestrahlung nachgewiesen werden.
Kontakt
Als Ansprechpartner für Fragen der Lebensmittelbestrahlung steht Ihnen gerne zur Verfügung:
Dr. Christoph Czerwenka
Leiter Kompetenzzentrum Rückstandsanalytik
Spargelfeldstrasse 191, 1220 Wien
Tel. +43 (0)50 555 32 531
Fax +43 (0)50 555 32 552
E-Mail: christoph.czerwenka@ages.at
Stand: 30.05.2011
Christoph Czerwenka
Institut: LMS Tierische LM, Kosmetika, GGst, Getr
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
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