ERSTELLT: 22.06.2011

Stellungnahme zur Publikation: „Maternal and fetal exposure to pesticides associated to genetically modified foods in Eastern Townships of Quebec, Canada” (Reproductive Toxicology 2011, doi:10.1016/j.reprotox.2011.02.004)

Die gegenständliche Publikation weist Glufosinat-Abbauprodukte (3-MPPA) und erstmals auch detektierbare Mengen an Bt-Toxin (Cry1Ab) in humanem Serum und fetalem Nabelschnurblut von Schwangeren nach. Glyphosat und Glufosinat sind überdies zu einem geringen Prozentsatz (5 % und 18 %) bei Vertretern der Kontrollgruppe (= nicht schwangere Frauen) detektierbar.
Die von den Autoren gezogene Schlussfolgerung, dass die ermittelten Kontaminanten durch den Konsum von gentechnisch veränderten Pflanzen in den Körper der Probandinnen gelangt ist, wird jedoch nicht belegt und ist somit nicht haltbar. Eine exakte Abklärung der Herkunft der im Blut gemessenen Substanzen stellt aus wissenschaftlicher Sicht aber ein absolutes Erfordernis dar, um eine derartige Behauptung belegen zu können.

Die an sich toxikologisch bemerkenswerten Beobachtungen sind durch das Fehlen jeglicher empirischer Beweise für einen Zusammenhang nicht mit dem Anbau oder Verzehr von gentechnisch veränderten Pflanzen oder daraus abgeleiteter Produkte in Verbindung zu bringen.

Die vorliegende Studie ist nicht geeignet, ein erhöhtes Risiko für die menschliche Gesundheit durch GVOs zu belegen.

Detaillierte Stellungnahme:

Der Kernsatz der Arbeit (Sektion 5. Conclusions), dass die vorliegende die erste Studie sei, die die Anwesenheit von pestizidassoziierten, genetisch modifizierten Lebensmitteln im maternalen, im fetalen Blut und in solchem von nichtschwangeren Frauen beleuchtet, ist plakativ und irreführend.

Nirgendwo in der Arbeit wird der Beweis geführt, dass ein ursächlicher Zusammenhang zu gentechnisch veränderten Organismen gegeben ist. Die vorliegende Publikation stellt ausschließlich dar, dass ein Metabolit von Glufosinat und das Bacillus thuringiensis Cry1Ab Toxin in den genannten biologischen Matrizes aufgefunden wurden. Auf eine Beweisführung, dass die detektierten Substanzen tatsächlich aus GVOs stammen, wird verzichtet.

Überdies hat der Glufosinat-Metabolit, wenn überhaupt, nur indirekt mit GVOs zu tun. Man kann postulieren, dass auf Grund der gentechnisch geschaffenen Resistenz von Pflanzen gegenüber Glufosinat besonders viel Glufosinat in der Landwirtschaft angewandt wird. Ursächlich ist das aber ein Pestizid- und kein Gentechnik/GVO-Problem.

Als Herkunft für das Bt-Toxin kommen 2 Quellen infrage: Das Bt-Toxin kann entweder aus Bt-Toxin exprimierenden GV Lebensmitteln oder von Rückständen aus Behandlungen in konventioneller (also nicht mit GVOs arbeitenden) Landwirtschaft stammen. Im zweiten Fall handelt es sich aber wieder um ein Herbizid-Bewertungsproblem, d. h. inwieweit Bt-Toxin-Rückstände tolerabel sind, und nicht um den Beweis, dass transgene Proteine aus GVOs in das Humansystem und über die Placenta in den Fetus eindringen.

Aus methodischer Sicht sind folgende Probleme auffällig:

  1. Die von der Firma Agdia angebotenen ELISA Assays für Cry1Ab wurden speziell für pflanzliche oder Lebensmittelproben entwickelt. Die Eignung dieser Assays zum Nachweis für Cry-Proteine aus Blutproben ist durch eine „in house“ Validerung zu belegen. Dies ist nicht geschehen.
  2. Die nachgewiesenen Mengen an Bt-Toxin bewegen sich an der unteren Grenze der mitgeführten Quantifizierungsstandardkurve. Das „limit of detection (LOD)“ hätte aber auch hier – wie bei der GC MS Analyse - ermittelt werden müssen.
  3. Ergebnisse der Positiv- bzw. Negativkontrollen werden nicht geliefert. Zusätzlich fehlen genaue Angaben wie diese hergestellt wurden.

Die vorliegende Arbeit beschreibt grundsätzlich interessante Beobachtungen, deren detaillierte Abklärung sinnvoll wäre. Es ist jedoch völlig unzulässig, Assoziationen anzudeuten, die im Rahmen der Arbeit nicht belegt werden. Durch eine voreilige, plakative Veröffentlichung wird eine seriöse GVO Risikoforschung desavouiert und ihr immenser Schaden zugefügt, da vielleicht tatsächlich vorhandene, „wirkliche“ Zusammenhänge im wissenschaftlichen Disput um unseriöse Arbeiten verdeckt bleiben. Die in der vorliegenden Publikation thematisierte Fragestellung wäre grundsätzlich wesentlich valider durch die von uns geforderten Entwicklungs-/Reproduktionsstudien und Langzeituntersuchungen aufzuklären.

Seite empfehlen

Senden Sie den Link zur aktuellen Seite an einen E-Mail Empfänger:

(Sie müssen die *gekennzeichneten Felder ausfüllen!)