Gentechnisch veränderter Leinsamen (GVO)
Im Herbst 2009 wurde in einigen Mitgliedsstaaten der EU gentechnisch veränderter(gv) Flachs in Leinsamenprodukten entdeckt. Das Bundesministerium für Gesundheit hat aus Vorsorgegründen umgehend eine Überprüfung von Leinsamenprodukten auch in Österreich veranlasst. Diese Untersuchungen werden seither am Kompetenzzentrum Biochemie (CC BIOC) der AGES durchgeführt (siehe auch Ergebnistabelle).
Der gv-Flachs stammte aus Kanada und ist in Europa nicht zugelassen.
In der EU gibt es auch keinen Antrag auf Inverkehrbringen. In Kanada wurde der herbizidresistente gv-Flachs CDC Triffid schon 1996 für den Anbau sowie als Lebens- und Futtermittel zugelassen. Die Sortenzulassung wurde in Kanada 2001 wieder zurückgezogen und der Anbau von CDC Triffid Flachs ist seither verboten.
Über das europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF - Rapid Alert System for Food and Feed) sind bislang über 100 Meldungen über gentechnisch veränderten Leinsamen eingegangen.
Damit der Transport von gentechnikfreiem Leinsamen aus Kanada wieder gewissenhaft betrieben werden kann hat Kanada zusammen mit der Europäischen Kommission ein eigenes Verfahren zur Sicherstellung des Leinsamen-Exports erstellt („Sampling and Testing Protocol for Canadian Flaxseed Exported to the European Union“).
Durch den Verzehr von Produkten mit geringen Spuren von gentechnisch verändertem Leinsamen besteht keine Gesundheitsgefahr, da aber Leinsamen aus gv-Flachs in Europa nicht zugelassen ist, sind auch Produkte mit minimalen Spuren nicht verkehrsfähig. In der Europäischen Gemeinschaft gilt nämlich für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel eine sogenannte Nulltoleranz. Das heißt, dass auch geringste Verunreinigungen mit nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Bestandteilen nicht erlaubt sind.
Leinsamen (Linum usitatissimum, Flachs) ist eine Kulturpflanze, die zur Faser- und Ölgewinnung angebaut wird. Er ist die einzige Leinart, deren Anbau eine wirtschaftliche Bedeutung hat. In der Praxis wird nach der Hauptverwendung in Faserlein und Öllein unterschieden. Die fettreichen Samen des Öllein werden zur Herstellung von Leinöl verwendet oder sind ganz oder geschrotet in Backwaren oder in Müslis zu finden. Sie dienen der Ballaststoffanreicherung und gelten wegen ihres hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren als gesundheitlich wertvoll.
Untersuchung des Probenmaterials
Der Flachs wurde mittels Agrobacterium-Transformation gentechnisch so verändert, dass er die im Boden vorhandenen Rückstände einer bestimmten Gruppe von Herbizidwirkstoffen (Sulfonylharnstoffen), die im Getreideanbau verwendet werden, toleriert.
Da sich gentechnische Veränderungen am einfachsten und auch am sichersten auf der DNA-Ebene nachweisen lassen, verwendet das Kompetenzzentrum Biochemie für den Nachweis von gv-Leinsamen die Real Time PCR. Diese molekularbiologische Methode lässt auch noch in vielen verarbeiteten Produkten einen sicheren Nachweis zu. Die DNA ist relativ unempfindlich gegenüber Erhitzung sowie alkalischer Behandlung und ist daher auch in vielen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten.
Der genannte gv-Leinsamen FP967 enthält Elemente, welche häufig auch in anderen gv-Pflanzen verwendet werden (NOS-Terminator, NOS-Promotor, nptII-Element). Durch das im Kompetenzzentrum Biochemie routinemäßig durchgeführte GVO-Screening können etwaige Beimengungen jederzeit erkannt werden. Sollte das Screening auf eine Anwesenheit von gv-DNA-Sequenzen hinweisen, erfolgen spezifische Tests zur Identifizierung des gentechnisch veränderten FP967-Leinsamens.
Diese Verfahren erlauben den sicheren Nachweis der gentechnischen Veränderung.
Als nationales Referenzlabor für GVO (NRL für GVO) nimmt das Kompetenzzentrum Biochemie auch Aufgaben zur Entwicklung neuer Nachweisverfahren wahr. In einer Arbeitsgruppe mit Fachvertretern aus Deutschland und der Schweiz wurde ein Nachweisverfahren für den Leinsamen FP967 validiert und kann nun allen europäischen Labors zur Verfügung gestellt werden.
Ergebnisse
Nach Bekanntwerden des Auftretens von gv-Leinsamen in Europa wurde in Österreich eine Aktion des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt. In 7 von 10 untersuchten Proben wurde die gv-Linie FP967 nachgewiesen. Seitdem werden laufend Produkte aus der Lebens- und Futtermittelkontrolle im Labor des Kompetenzzentrums Biochemie auf Vorkommen von gv-Leinsamen untersucht.
Stand 30.04.2010
Zeitraum der Untersuchung
| Eingelangte Proben
| Untersuchte Proben
| Negatives Ergebnis: kein GVO-Leinsamen
| Positives Ergebnis: Leinsamen-FP967
|
2009
| 33
| 33
| 18
| 15
|
2010
| 54
| 54
| 50
| 4
|
Rupert Hochegger
Institut: LMS Tierische LM, Kosmetika, Gebrauchsgegenstände, Getränke
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