Gentechnisch veränderte (gv) Kartoffel zum Anbau zugelassen
Die EU-Kommission hat den Anbau der gentechnisch veränderten Amflora-Kartoffel erlaubt. Damit wurde in der EU erstmals seit 1998 eine gentechnisch veränderte Pflanze für den Anbau zugelassen.
Die von dem deutschen Chemiekonzern BASF Plant Science entwickelte gv-Kartoffel produziert nur Amylopektin-Stärke und nicht das übliche Gemisch zweier Stärke-Typen. Die neu entwickelte Kartoffelsorte ermöglicht somit eine optimierte stoffliche Nutzung für die Herstellung von Papier, Textilien oder Klebstoff. Die bei herkömmlicher Stärke durchgeführte aufwändige Entfernung des zweiten Stärkepolymers, der Amylose, entfällt dadurch.
Situation in Österreich
Nach der Zulassung für die gesamte EU hat Gesundheitsminister Alois Stöger am 01.04.2010 ein nationales Anbauverbot für Österreich erlassen. Die österreichische Verbotsverordnung wurde am selben Tag in Begutachtung geschickt und soll in einem beschleunigten Verfahren nach drei Wochen genehmigt werden. "Amflora" wird vor Beginn der Anbausaison verboten. Österreich sieht die Entscheidung der EU-Kommission kritisch, da die Kartoffel auch ein Antibiotika -Resistenzgen trägt.
Laut Europäischer Kommission wird noch diesen Sommer ein Vorschlag vorgelegt, der den Mitgliedstaaten mehr Entscheidungsfreiheit in der Frage des Anbaus genetisch veränderter Sorten lassen würde.
Kontrolle - Analytik
Der sichere Nachweis der gentechnisch veränderten Kartoffel stellt das Labor vor keine Probleme. Da die Eigenschaften der Amflora-Kartoffel schon lange bekannt sind, gibt es seit einigen Jahren spezifische Nachweissysteme für Lebens- und Futtermittel. Da sich auch die gentechnisch veränderte Kartoffel am einfachsten und auch am sichersten auf der DNA-Ebene nachweisen lässt, verwendet das Kompetenzzentrum Biochemie für den Nachweis von Amflora die Real Time PCR. Diese molekularbiologische Methode lässt auch noch in vielen verarbeiteten Produkten einen sicheren und eindeutigen Nachweis zu.
Die Amflora-Kartoffel enthält Elemente, welche häufig auch in anderen gv-Pflanzen verwendet werden (NOS-Terminator, nptII-Element). Durch das im Kompetenzzentrum Biochemie routinemäßig durchgeführte GVO-Screening können etwaige Beimengungen jederzeit erkannt werden. Sollte das Screening auf eine Anwesenheit von gv-DNA-Sequenzen hinweisen, werden zur Bestätigung spezifische PCR-Analysen durchgeführt.
Herkunft und Gewinnung von Stärke
Stärke (lat. Amylum) ist eine organische Verbindung und einer der wichtigsten Reservestoffe in pflanzlichen Zellen. Sie besteht aus vielen Glucose Einheiten und zählt somit zu den Kohlenhydraten, genauer gesagt zu den Polysacchariden. Stärke wird in unseren Breiten meistens aus Kartoffeln oder Getreide gewonnen, wichtige Quellen sind aber auch Reis und Mais.
Verwendung
Stärke wird in der Nahrungsmittelindustrie auf vielfältige Weise genutzt. Stärkehaltige Pflanzen wie Kartoffeln, Weizen, Reis und Maniok stellen international wichtige Grundnahrungsmittel zur Versorgung mit Kohlenhydraten dar. Hinzu kommt die Herstellung von Mehl aus verschiedenen stärkehaltigen Getreidearten. Darüber hinaus dient Stärke zur Herstellung von verschiedenen stärkebasierten Zuckerstoffen wie Dextrinen, Traubenzucker, Maltodextrin sowie Glucosesirup, der als Süßungsmittel in der gesamten Lebensmittelindustrie eingesetzt wird. In der Lebensmittelindustrie wird Stärke außerdem als wichtiges Verdickungsmittel z. B. in Fertiggerichten aller Art eingesetzt.
Stärke gehört in Form von Kartoffel-, Mais- und Weizenstärke aufgrund der vielfältigen Anwendungen in der chemisch-technischen Industrie zu den wichtigsten nachwachsenden Rohstoffen. Dabei sind die Hauptanwendungsbereiche die Herstellung von Papier und Wellpappen sowie in der Fermentationsindustrie die Herstellung verschiedener Plattformchemikalien und von Bioethanol.
Relativ neu ist der werkstoffliche Einsatz als Biokunststoff z. B. für kompostierbares Einweg-Geschirr und -Besteck oder als aufgeschäumtes Polstermaterial in Paketen. In der Pharmazie verwendet man Stärke in der Tablettenherstellung, bei der sie als Füllstoff, Sprengmittel und Bindemittel und als Pudergrundlage dienen kann.
Amflora
Amflora wurde entwickelt, um den Bedarf an reiner Amylopektinstärke zu decken. Aufgrund ihres hohen Stärkegehalts ist sie so mehlig kochend, dass sie küchentechnisch kaum verwendbar ist. In vielen technischen Anwendungen der Papier-, Garn- oder Klebstoffindustrie ist reines Amylopektin hingegen von Vorteil, weil es nicht geliert. Durch Amflora sollen industrielle Prozesse optimiert und Rohstoffe wie Wasser, Zusatzstoffe und Energie gespart werden, die bisher für die Trennung des Stärkegemischs benötigt wurden.
Nach einem umfassenden, im Jahr 2003 eingeleiteten Zulassungsverfahren und aufgrund mehrerer befürwortender wissenschaftlicher Gutachten hat die Kommission die Zulassung für Amflora erteilt.
Der Beschluss enthält strenge Vorgaben für den Anbau, damit nach der Ernte keine genetisch veränderten Kartoffeln auf dem Acker liegen bleiben und damit sich die Amflora-Samen nicht in der Umgebung ausbreiten.
Amflora wird ausschließlich in der Stärkeindustrie für bestimmte technische Anwendungen verarbeitet.
Außerdem wurde die Verwendung der bei der Stärkeverarbeitung anfallenden Reststoffe (Pulpe) als Futtermittel genehmigt. Als Lebensmittel sind Amflora-Kartoffeln dagegen nicht zulässig. Erlaubt sind "zufällige, technisch unvermeidbare Beimischungen" bis zu 0,9 Prozent.
Rupert Hochegger
Institut: LMS Tierische LM, Kosmetika, GGst, Getr
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