Gesundheitliche Aspekte von Kaffee
Kaffee gehört weltweit gesehen zu den am meisten konsumierten Getränken. Ihm zu Ehren wird am 1. Oktober der Tag des Kaffees begangen.
Rund um den Kaffee und dessen physiologische Wirkungen ranken sich zahlreiche Geschichten. Grund genug, den beliebten Muntermacher etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, mit einigen Irrtümern aufzuräumen und die vorliegenden Fakten auf den Tisch zu legen.
Neben dem wohl bekanntesten Inhaltsstoff, dem Alkaloid Koffein, enthält Kaffee eine Vielzahl von Bestandteilen, die sich je nach Sorte (Arabica und Robusta) unterscheiden. Neben den Hauptnährstoffen enthält die Kaffeebohne Mikronährstoffe wie Magnesium, Kalium, Niacin und Vitamin E sowie Aromastoffe und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Unter den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen im Kaffee mit ihren antioxidativen Eigenschaften haben die Chlorogensäure und die Koffeinsäure die größte Bedeutung. Aufgrund seiner komplexen chemischen Struktur ist es aber bisher nicht gelungen, eine vollständige Bilanz aller Inhaltsstoffe zu erstellen.
Inhaltsstoffe gerösteter Kaffee in g / 100 g
(Durchschnittswerte, abhängig von Röstgrad und Sorten)
Ballaststoffe | 58,2 |
Kohlenhydrate | 1,5 |
Protein | 13,5 |
Fett | 13,4 |
Mineralstoffe | 4,16 |
Wasser | 3,43 |
Chlorogensäure | 4,11 |
Koffein | 1,28 |
[Quelle: SOUCI, FACHMANN, KRAUT. 2008]
Kaffee entzieht dem Körper Wasser
Der Hauptwirkstoff des Kaffees, das Koffein, bewirkt nicht nur eine Stimulierung des Zentralnervensystems, wodurch Wachsamkeit, Konzentration und Leistungsfähigkeit gefördert werden, sondern wirkt auch harntreibend. Daher rührt auch die Meinung, dass Kaffee dem Körper Wasser entzieht und nicht zur Flüssigkeitszufuhr beiträgt. Es war weit verbreitet, zu jedem Kaffee ein Glas Wasser als Ausgleich zu empfehlen. Sowohl die Menge als auch die Häufigkeit des Kaffeekonsums haben einen Einfluss auf den harntreibenden Effekt. Bei höherer Koffeinzufuhr kommt es neben der vermehrten Wasser- auch zu einer vermehrten Salz- und insbesondere Natriumausscheidung, was durch Kompensationsmechanismen ausgeglichen wird. Wenn Kaffee regelmäßig in konstanten Mengen konsumiert wird, kommt es aufgrund erhöhter Aktivität der verschiedensten Kompensationsmechanismen durch den Gewöhnungseffekt zu keiner erhöhten Wasser- und Natriumausscheidung.
Beeinflusst Kaffee den Cholesterinspiegel?
Studien haben gezeigt, dass der Einfluss von Kaffee auf den Cholesterinspiegel von der Art der Zubereitung abhängt. Ungefilterter Kaffee kann den LDL-Cholesterinspiegel beträchtlich erhöhen, während Filterkaffee und Instantkaffee keinen wesentlichen Einfluss auf die Serum- Lipoproteine haben. Für den cholesterinsteigenden Effekt ist das Diterpen Cafestol verantwortlich. Daher sollte zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen der Konsum von großen Mengen ungefilterten Kaffees vermieden werden.
Einfluss von Kaffee auf kardiovaskuläre Erkrankungen und Hypertonie
Kaffee wurde oft mit der Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Nach heutigem Wissensstand führt moderater Kaffeekonsum wahrscheinlich nicht zu einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Auch in einer Studie, in der der Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und der Gesamtsterblichkeit untersucht wurde, hat man die geringere Gesamtsterblichkeit bei Kaffeekonsum durch die Minimierung der Todesfälle durch kardiovaskuläre Erkrankungen erklärt.
Die Studienergebnisse über den Zusammenhang zwischen Kaffee und der Entstehung von Bluthochdruck sind widersprüchlich, wobei die Evidenz aber in die Richtung geht, dass das Hypertonierisiko nicht durch Kaffeekonsum erhöht wird.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Schlaganfall?
Studienergebnisse zu diesem Thema liefern ein einheitliches Bild. Die Langzeitergebnisse der Nurses Health Study zeigten, dass moderater Kaffeekonsum, von 2 bis 3 Tassen Kaffee pro Tag, verglichen mit seltenem Kaffeekonsum (1 Mal pro Monat), zu einem bis zu 19 % geringerem Risiko für Schlaganfall führte. Es konnte außerdem nachgewiesen werden, dass moderater Kaffeekonsum zu einem geringeren Schlaganfallrisiko führt als der völlige Verzicht auf Kaffee.
Kaffee und Krebsrisiko
Immer wieder wird Kaffee mit der Entstehung verschiedener Krebsarten in Verbindung gebracht und als möglicher Risikofaktor diskutiert. Laut Expertenbericht des World Cancer Research Fund konnte kein Zusammenhang mit Pankreas- und Nierenkrebs gefunden werden. Aktuelle Übersichtsstudien zeigen außerdem, dass Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für Leber- und Kolorektalkrebs einhergeht, während bei Prostata-, Eierstock- und Brustkrebs kein Zusammenhang gezeigt werden konnte.
Kaffee und seine Bedeutung für die Knochengesundheit
Bisher gibt es keine Evidenz, dass sich Koffein negativ auf die Knochengesundheit auswirkt. Koffein ist keine Ursache von Osteoporose. Diese hat viele verschiedene Ursachen, wobei Koffein nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Kaffee ist ein Genussmittel und sollte auch als solches konsumiert werden. Der tägliche Flüssigkeitsbedarf sollte bevorzugt durch energiearme Getränke wie Wasser, Mineralwasser, ungezuckerte Früchte- oder Kräutertees, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte gedeckt werden.
Gegen den täglichen moderaten Konsum von 3 bis 4 Tassen Kaffee ist aber nichts einzuwenden.
Literatur:
Binns C, Lee A, Fraser M. Tea or Coffee ? A case study on evidence for dietary advice. Public Health Nutrition. 2008; 11: 1132-1141.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Ist Kaffee ein „Flüssigkeitsräuber“? DGE aktuell 01/2005 vom 12.01.2005. http://www.dge.de/.
Geleijnse J. Habitual coffee consumption and blood pressure: An epidemiological perspective. Vascular Health and Risk Management 2008; 4: 963-970.
Higdon J, Frei B. Coffee and Health: A Review of recent human Research. Critical Reviews in Food Science and Nutrition 2006; 46: 101-123.
Klag M, Wang N, Meoni L, Brancati F, Cooper L, Liang K, Young J, Ford D. Coffee Intake and Risk of Hypertension. Arch Intern Med. 2002; 162:657-662.
Lopez-Garcia E, Rodriguez-Artleja F, Rexrode K, Logroscino G, Hu B, van Dam R. Coffee consumtpion and risk of stroke in women. Journal of the American Heart Association 2009; 119: 1116-1123.
Lopez-Garcia E, van Dam R, Li T, Rodriguez-Artalejo F, Hu F. The Relationship of Coffee Consumption with mortalità. Ann Intern Med. 2008; 148: 904-914.
Maughan R, Griffin J. Caffeine ingestion and fluid balance: a review. J Hum Nutr Dietet, 2003; 16: 411-420.
Nkondjock A. Coffee consumption and the risk of cancer: An overview. Cancer Letters 2009; 277: 121-125.
SOUCI S, FACHMANN W, KRAUT H. Die Zusammensetzung der Lebensmittel Nährwert- Tabellen. 7. revidierte und ergänzte Auflage. Medpharm Scientific Publishers Stuttgart 2008.
Van Dam R. Coffee consumption and risk of type 2 diabetes, cardiovascular diseases, and cancer. Appl. Physiol. Nutr. Metab. 2008; 33: 1269-1283.
World Cancer Research Fund / American Institute for Cancer Research. Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention of Cancer: a Global Perspective. Washington DC: AICR, 2007
Zentrum fuer Ernaehrung & Praevention
Institut: Zentrum fuer Ernaehrung & Praevention
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
Autor/Autorin kontaktieren
Weitere Artikel des Autors / der Autorin
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit